Collective Of Improvising Artists

Collective Of Improvising Artists – Thousand Miles Journey
(Boomslang Records/ Boomslang)                                                     Veröffentlichung: 18. Februar 2011

Das vierzehnköpfige, von Peter Madsen 2007 mit ins Leben gerufene Ensemble junger österreichischer Musiker versteht sich darauf, auch in der großen Besetzung dem spontanen Fluss der Einfälle zu folgen. Feste Struktur und freie Gestaltung gehen ineinander über, Notation steht neben Improvisation, und das war eine gute Voraussetzung, um der „Thousand Miles Journey“ trotz klarer Konzeptidee genügend Spontaneität zu erhalten. So wurden die Eckpunkte festgelegt, der Balkan, China, Persien und der arabische Klangraum, schließlich der urbane Sound von New York und wieder die Heimkehr in die Alpenregion.

 Peter Madsen hat mit seinen akustischen Reiseskizzen eine faszinierende Visitenkarte des eigenständigen Ensembleklangs gestaltet, die ihn von nun an als Arrangeur und Komponist in einer anderen Liga spielen lässt.

 Reisen ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Wo früher einem Weg mühsam Kilometer für Kilometer abgetrotzt werden musste, wird heute eine Bordkarte gelöst und wenige Stunden später landet man am anderen Ende der Welt. Das kann als Fortschritt gefeiert werden, denn es rückt  entfernte Regionen näher zusammen und verändert gar die empfundene Geographie. Es führt aber auch zu einer Abnahme der Wahrnehmung von Details. Denn Reisen heißt hinsehen, hinhören, entdecken von regionalen Eigenheiten. Es ist eine Herausforderung an den Intellekt in Bewegung, der sich zu Neuem in Beziehung setzt. Und das reizt den Komponisten, Pianisten und Bandleader Peter Madsen, der das Prinzip der klangkulturellen Begegnung am Beispiel einer imaginären musikalischen Wegstrecke entfaltet.

 

 Mehrere Entscheidungen waren dabei im Vorfeld von „Thousand Miles Journey“ zu treffen. Als erstes stellte sich die Frage nach den Stationen auf der musikalischen Weltkarte, die sich sinnvoll in ein einziges, kaum mehr als eine Stunde dauerndes Programm integrieren ließen. Für Peter Madsen, geboren in Racine, Wisconsin, künstlerisch sozialisiert in New York und inzwischen ein halber Österreicher mit einem Wohnsitz im Vorarlberger Höchst, war klar, dass er keiner realen Route folgen, sondern seine Reise anhand von musikalischen Gemeinsamkeiten oder dramaturgisch wirkungsvollen Kontrasten gliedern wollte. Das Programm sollte den großen Bogen spannen, zugleich aber auch als Sukzession einzelner, separat für sich stehender Stationen verstanden werden können. Dabei kam ihm eine Besonderheit des Collective Of Improvising Artists entgegen.

 Das vierzehnköpfige, von Peter Madsen 2007 mit ins Leben gerufene Ensemble junger österreichischer Musiker versteht sich darauf, auch in der großen Besetzung dem spontanen Fluss der Einfälle zu folgen. Feste Struktur und freie Gestaltung gehen ineinander über, Notation steht neben Improvisation, und das war eine gute Voraussetzung, um der „Thousand Miles Journey“ trotz klarer Konzeptidee genügend Spontaneität zu erhalten. So wurden die Eckpunkte festgelegt, der Balkan, China, Persien und der arabische Klangraum, schließlich der urbane Sound von New York und wieder die Heimkehr in die Alpenregion. Improvisierende Passagen und Intermezzi boten sich für die Übergange zwischen den Haltestellen der Kompositionen an. Texturen schufen Assoziationen, Stilklischees wechselten sich ab mit Relativierungen, natürliche und synthetische Soundeffekte mit den Klangwirkungen natürlicher Instrumente.

 Peter Madsen folgte dabei zum einen seiner eigenen Vorstellung von kultureller Vielfalt, ließ sich aber darüber hinaus von unterschiedlichen Quellen inspirieren. Der Aufbruch führt in eine von den Fanfaren der Gypsy-Tradition geprägte Hörregion, mündet in ungerade, energetische Rhythmen und in Hörempfindungen voll Unmittelbarkeit und stilisierter Wildheit. Der Transfer nach China leitet in einen von einem Volkslied der Provinz Hunan melodisch sanft fließenden Kosmos über. Persien wiederum wird kammermusikalisch ernst umkreist, um dann in die Adaption des „Persian Chants“ des Weltenbummlers George Ivanovich Gurdjieff überzugehen. Die gedanklich raffinierteste Station ist die daran anschließende Durchquerung des arabischen Motivraumes, der über Sephardisches und Nordafrikanisches nach New York, der Metropole der Stilverschmelzungen führt. Eine Prise Latin schließlich feiert die Lust am Rhythmischen und weist den Weg zurück zum Anfang.

 „Thousand Miles Journey“ wurde am 6.April 2010 im Landesstudio Vorarlberg des ORF aufgenommen. Es war für alle Beteiligten ein besonderes Experiment. Denn zum einen konnte und musste sich das noch junge Collective Of Improvising Artists als eigenständige musikalische Kraft beweisen, das den hohen Ansprüchen des Projektes an Kreativität und Partitur, an Farbgestaltung und Soundvielfalt, an die Balance zwischen kammermusikalischer Dichte und jazzorchestraler Präsenz zu genügen hatte. Darüber hinaus aber schlägt die Aufnahme auch ein neues Kapitel in der Künstlerbiographie von Peter Madsen auf. Denn der Pianist und Komponist, den man bislang vor allem durch Bands wie Three Of A Kind kannte, die entweder als modern jazziges Trio oder als Rhythm Section von Soulfunk-Posaunist Fred Wesley fungieren, hat mit seinen akustischen Reiseskizzen eine faszinierende Visitenkarte des eigenständigen Ensembleklangs gestaltet, die ihn von nun an als Arrangeur und Komponist in einer anderen Liga spielen lässt.

 wwww.collectiveofimprovisingartists.com