Fredrika Stahl

Fredrika Stahl - Sweep Me Away

 Katalognummer: 88697647572   Columbia / Sony Music      Veröffentlichung: 01.Oktober 2010


Live

Mi, 04.05.2011      Stuttgart l Theaterhaus     

Do, 05.05.2011     Freiburg l Jazzhaus     

Fr, 06.05.2011      Offenburg l Reiff-Medien Dome

 

Was kann es Schöneres geben, als bei einem Album aus dem Staunen nicht mehr herauszukommen? Bereits das Intro des Albums, auf dessen Gesangssatz wohl sogar Brian Wilson stolz wäre, macht hellhörig. 

 

Die künstlerische Metamorphose von Fredrika Stahl könnte eigentlich kaum frappanter sein. Die 25-jährige Schwedin, die in ihrer Wahlheimat Frankreich mit ihren ersten beiden Alben „A Fraction Of You“ (2006) und „Tributaries“ (2008) als neuer Stern am Jazzhimmel gefeiert wurde, klingt auf ihrem neuen Album „Sweep Me Away“ wie verwandelt. Perfekter Pop. Agil arrangiert, aufregend interpretiert. Die Sängerin, die alle Songs selbst komponiert hat, kann jedoch mit solchen Kategorisierungen wenig anfangen. „Die Frage, ob ich eine Popsängerin oder eine Jazzsängerin bin, schockt mich immer. Wo ich hingehöre. In welche Kategorie man mich einordnen soll. Für mich ist Kunst eines der wenigen Dinge, die man nicht eingrenzen kann. Für mich ist das einfach Musik. Hauptsache, sie klingt gut.“ Und „Sweep Me Away“ macht seinem Titel alle Ehre und erweist sich tatsächlich als ein Album, von dessen Songs, gleich wie man sie denn nun einordnen möchte, man unweigerlich mitgerissen wird.

Die zwölf Songs stehen durchaus in der Tradition moderner, femininer Singer/Songwriterinnen wie Emiliana Torrini und Regina Spektor, die alle ihre ganz eigene Stimme und Ausdrucksform entwickelt haben. Fredrika Stahl singt mit einer enormen Klarheit und Akkuratesse, die das Bild einer kühlen nordischen Schönheit nähren, doch ihr wohltemperiertes Pianospiel und die warmen Arrangements produzieren eine angenehm vertraute Stimmung. Ein Jahr lang hatte Fredrika Stahl ganz zurückgezogen in Schweden gelebt und an den neuen Songs gearbeitet. „Es war das erste Mal, dass ich solche komplexen Demos aufgenommen habe. Es gab enorm viele Gesangsarrangements, auch wenn ich niemals Gesangsstunden genommen habe. Die fertigen Songs kommen den ursprünglichen Demos recht nahe. In dem einen Jahr in Stockholm habe ich mich von Frankreich abgekapselt gefühlt. Ich musste mich einfach auf mich und meine Musik konzentrieren – eine sehr intensive Erfahrung.“

Fredrika Stahl hatte bereits zwischen ihrem vierten und zwölften Lebensjahr mit ihren Eltern in Frankreich gelebt. Nach ihrem Abitur zog es die damals 17-jährige nach Frankreich zurück. Nachdem sie ihren ursprünglichen Plan Tänzerin zu werden verworfen hatte und sich einige Zeit als Kellnerin über Wasser hielt, wurde der amerikanische Jazzpianist Tom McClung, jahrelanger Begleiter von Archie Shepp, auf ihr musikalisches Talent aufmerksam. So kam es zu ersten Auftritten in Pariser Jazzclubs wie New Morning und Duc des Lombards. „Jazz ist brillant für Live-Auftritte“, erinnert sie sich. „Ich habe unglaublich viel gelernt. Anfangs gab es noch so eine Distanz, schließlich war ich kaum 20 Jahre alt und spielte mit Musikern in ihren Fünfzigern. Dass ich meine Songs selbst schreibe, hat mich aber irgendwie gerettet.“ Gemeinsame Auftritte mit Herbie Hancock, Richard Bona und Maceo Parker erwiesen sich als unschätzbar wertvolle Erfahrungen. Eine wesentlich wichtigere Konstante in ihrem bisherigen Werk ist der Produzent Jean Fabien Ekodo, der unter dem Künstlernamen GeeF arbeitet und auch ihre beiden ersten Alben produzierte. Für „Sweep Me Away“ arbeitete er gemeinsam mit Jeff Dolort als Co-Produzent.

Aufgenommen wurden die Songs von „Sweep Me Away“ mit einer Reihe exzellenter Jazz- und Funk-Musiker, darunter die beiden Pianisten Eric Legnini und Romain Collin, der Bassist Daniel Romeo und der Schlagzeuger Arnaud Renaville sowie die sich durch fragile Poptexturen auszeichnende Gitarristin Edith Fambuena. Bereits das Intro des Albums, auf dessen Gesangssatz wohl sogar Brian Wilson stolz wäre, macht hellhörig. Die so komplex wie reich arrangierten Songs wie etwa „Altered Lens“ erinnern bisweilen an den nouvelle chanson eines Benjamin Biolay. Stahl kann sich herrlichen musikalischen Tagträumereien hingeben („Fast Moving Train“), kokett fröhlich klingen („Rocket Trip To Mars“) oder ausgelassen beatlesk („In My Head“) „Fling On Boy“ hat den nötigen Swing, um auch auf dem Dancefloor zu bestehen, während „Song Of July“ wie eine leichte Sommerbrise wirkt.

Das   emotionale Spektrum, das Fredrika Stahl mit ihrem neuen Album abdeckt, ist wirklich erstaunlich. Was kann es Schöneres geben, als bei einem Album aus dem Staunen nicht mehr herauszukommen? „Dreamin’ with both feet on the ground“ singt die hübsche blonde Schwedin in einem Song. Wir lauschen derweil ganz gebannt ihrem delikaten neuen Album. Swept away!