Georg Breinschmid

Georg Breinschmid - Brein’s World
Preiser Records 90787/NAXOS                                              Veröffentlichung: 20. September 2010

Georg Breinschmid hat die seltene Gabe Humor mit Jazz und Artverwandtem zu verewigen. It’s a Brein’s Brein’s Brein’s World könnte man diesen Doppelpack mit einem Augenzwinkern Richtung James Brown benennen, alleine wenn man sich seinen „Oldtime Hit“ zu Gemüte führt, diesen Soul-Jazz vom Feinsten. Brein's World ist durchsetzt ist von kleinen und großen Konzertwalzern, schrägen Metren, Polka, Rap, Blues und mit dem Brückenschlag zur alpenländisch-volksmusikalischen Tradition mit jeder Menge Grooves zwischendrin und rundherum.

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Und ewig schnalzt der Bass. Georg Breinschmid, Gorg Brein, Schorsch (manche nennen ihn lapidar und der Einfachheit halber Wunderwuzzi) kehrt mit einem Doppelpack an unkategorisierbarer Musik für die Welt zurück. It’s a Brein’s Brein’s Brein’s World mit kleinen und großen Konzertwalzern und Soul-Jazz, mit dem Brückenschlag zur alpenländisch-volksmusikalischen Tradition, mit Polka, Rap und Blues und mit jeder Menge Grooves zwischendrin und rundherum. Der Bassist und Sänger erzählt vom Hierbleiben und Wegfahren, spielt einmal Liszt („Liebestraum“), einmal Bach im 11/16 Takt, einmal ansatzweise J. Strauß („Radetzkymarsch“) und sonst nur sich selbst.


Im Jazzeranten Lexikon kumm i ned amoi vua

 Die Vielfalt ist sein Markenzeichen, unverwechselbar dabei aber nicht nur sein fantastisch gespielter Bass, sondern auch seine sorgfältig-skurrilen Texte. Zeigen die instrumentalen Stücke Georg Breinschmid bisweilen von einer introvertierten Seite, die in einer speziellen Detailverliebtheit außerordentliche Nuancen zu Gehör bringen, erlebt man Georg Breinschmid in den Liedern mit Text – zwar nicht ausnahmslos, aber meistens – von einer humorigen Seite, von einem, der das Leben in sich aufsaugt und sein Denken und seine Beobachtungen in literarisch gehaltvollen Satiren rauslässt. Sprachlich auffällig sein Wiener Groove in „Tschukkn Belle“ (mit Erni M. – voc, kazoo) als quasi rhetorische Extravaganza bzw. phonetische Assoziationskette, die bis zur Breinschmid’schen Erkenntnis führt, dass er „im Jazzeranten Lexikon“ noch nicht vorkommt. Warum eigentlich? Ursprünglich als klassischer Kontrabassist u. a. beim Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester, danach bei den Wiener Philharmonikern tätig, kehrte er der Klassik den Rücken, seither widmet er sich liebevoll dem Jazz und Artverwandtem. Sieben Jahre lang war er ständiger Kontrabassist des Vienna Art Orchestra, er spielte u.a. mit Archie Shepp, Charlie Mariano, Kenny Drew jr., Bireli Lagrene, Christian Muthspiel… - nicht nur das: Hinzu kommen des Breinschmids hervorragende kompositorische Fähigkeiten, die eine ganz schön nachhaltige Wirkung erzielen können. Wie selbstverständlich vereint sich sein globales Musikverständnis mit regionalen Codes, anders formuliert: Seine Musikstücke leben von einer hohen Toleranz für Komplexität und Vielfalt, die auf Basis der bestehenden Unterschiede das Gemeinsame und Einigende entdecken. Und an der Nase führt er uns auch herum, denn seine Kompositionen, die Breinschmid mitunter „petite“ nennt, sind Davids in Goliaths Statur.

 Ohne Breinschmid geht nix

 Auf dem vorliegenden Doppel-Album kommt am häufigsten sein Hauptprojekt „Brein’s Café“ mit den Janoska-Brüdern aus Bratislava zu Gehör, und es wimmelt freilich ebenfalls nur so vor illustren Gästen (wie auch bereits auf dem Vorgänger-Album „Wien bleibt Krk“). Mit dabei natürlich sein Spezi Thomas Gansch an der Trompete. Das beliebte Duo ist mit sechs Stücken zu hören, da gedeiht ein Trompetenbaumgewächs ebenso wie der Radetzkymarsch neu beatmet wird, der Blues im 5/4-Takt sich beschleunigt, ein schnelles Bassriff im „Intermezzo“ für Überraschungen sorgt, eine Fotosession musikalische Improvisation erhält („Window Serenade“) oder das „Schnucki von Heanois“ in einem wahnwitzigen Rap verewigt wird. Der nächste Party-Hit und Chart-Knüller? Das Leben will den nächsten Hit. Aber weiter im Gästeverzeichnis. Als „ganz große Klasse“ könnte man das schweizerisch-österreichische Ensemble mit Daniel Schnyder (ss), Thomas Dobler (vib), Daniel Pezzotti (vlc) umschreiben, wenn sie nicht eh schon so hießen. Mit classXXX jedenfalls spielt der Bassist u. a. seine erste Komposition überhaupt nochmals ein („5/4“), mit Manu Delago (hang) und Andi Tausch (guit) hingegen träumt er den „Dream#71“, mit Azzi Finder (vl) und Roland Bentz (vl) wiederum macht er „Urlaub am Giatl“, einem weiteren Wienerlied von unwiderstehlich neuer Güte; und in der Sextett-Besetzung mit Clemens Salesny (sax), Horst-Michael Schaffer (trp), Robert Bachner (trb), Clemens Wenger (p), Christian Salfellner (dr) kommt schließlich der gute alte Soul-Jazz im „Oldtime Hit“ wieder zu neuen Ehren. Dann gäbe es noch die sechs Stücke mit Sebastian Gürtler (vl) und Tommaso Huber (acc). Allen voran „Flugzeugderorist“, das anlässlich einer Security-Kontrolle am Flughafen entstand, Stichwort Handgepäckbestimmungen und Mitnahme einer Mineralwasserflasche, aber auch das, so Breinschmid Gott sei Dank gänzlich unautobiografische, „Lied des Zwangsdenkers“, der quasi serbische „Bach 11/16“, der Konzertwalzer „Festivalse“, die urtraurige „Todespolka“, sowie das improvisierte „Wienerlied-GPS“. Acht breingeschmiedete Kompositionen erstrahlen schließlich in der bereits erwähnten Kaffeehausbesetzung „Brein’s Café“, quasi Stammtisch, also mit Roman Janoska (vl) und Frantisek Janoska (p). Dieser Flexibelbetrieb an Trio bewegt sich dabei intuitiv und gefühlsecht zwischen Klassik, Jazz, World und Wienerlied und gibt uns so den letzten Schliff für die Schönheit, das getragene Element für das Vollkommene, die Lebenslust für einen gelungenen Tag, umgesetzt als „7/8 Landler“, „Musette #2“, „Liebestraum“, „Brein`s Knights“ u.a. Er besingt das soziale Leben am Computer („Computer-Wienerlied“) und er teilt uns sein Wissen, wann Schluss sein muss („Ma muass aufhean wanns am scheenstn is“). Ja, und einmal sitzt Breinschmid irgendwo in Kroatien alleine im „Room 422“ und pfeift sich selbst ein Liedl. Kurzum: Ohne Breinschmid geht nix. (Manfred Horak)

 www.georgbreinschmid.com