Le Pop Vol.6

Le Pop 6 – les chansons de la nouvelle scène française

 (Le Pop Musik/GrooveAttack)

KatalogNr.: LPM29-1 (Vinyl+mp3), LPM 29-2 (CD)

VÖ.: 19.11.2010

http://www.uk-promotion.de/musikthemen-coverdownload/le-pop-vol6/

 

Chanson 2010: Aufbruch zu neuen Soundwelten

Quebec. Aufbruchstimmung. Temposongs. Clubhits... Eine illustre Wortsammlung kommt zusammen, wenn man den besonderen Charakter der aktuellen Compilation Le Pop 6 kurz und knapp beschreiben will. Ein Sampler voller Dynamik, der gleichzeitig für einen Generations-wechsel in der Nouvelle Scène Française steht. Schließlich waren schon lange nicht mehr so viele bemerkenswerte Newcomer auf der seit 2002 bestehende Neo-Chanson-Reihe vertreten. 16 Songs zwischen Paris und Montreal, davon 14 bislang in Deutschland unveröffentlicht, sorgen für eine breite stilistische Vielfalt. Da treffen Folk, Elektronik oder Cajun auf ein fein arrangiertes Pop-Duett der franco-kanadischen Heroine Cœur de Pirate mit Gesangspartner Jimmy Hunt. Schillernde Individualität funkelt, wenn Alexis HK in sein wunderliches „Ronchonchon“-Haus einlädt oder Yvan Marc zur Partyhymne „Propaganda“ aufspielt.

Für Le Pop ist 2010 zu einem definitiven Durchstarter-Jahr geworden. Die großen Erfolge mit dem Album von Cœur de Pirate auch in Deutschland (Platz 6 der offiziellen i-Tunes-Charts!) zeigen, dass die französische Szene längst aus der Spezialisten-Ecke herausgefunden hat. „Unsere kontinuierliche Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Musiker-Persönlichkeiten vermittelt ein authentisches Spektrum der französischen Popmusik; jenseits aller öden Klischees“, fasst Labelbetreiber Rolf Witteler zusammen. „Wir haben eine Stimmung dafür aufgebaut und viele Namen hierzulande bekannt gemacht. Dieses Engagement wird mittlerweile weithin geschätzt.“

Die Schätze von Quebec

Rolf Witteler und Le-Pop-Labelpartner Oliver Fröschke sind dabei zu Hit-Mineuren in der frankophonen Poplandschaft geworden. Eine Art internationales Frühwarnsystem für neue Künstler und Strömungen. Manchmal sind sie selber erstaunt, auf welche musikalischen Wendungen sie bei ihrer Schürfarbeit stoßen. Der Besuch der Beiden in der kanadischen Provinz Quebec etwa führte zur direkten Zusammenarbeit mit dem Heimatlabel von Cœur de Pirate. „Sie haben sich für die Veröffentlichung in Deutschland ganz gezielt für uns entschieden, obwohl es auch größere Mitbewerber gab. Ein offensichtliches Zeichen von Wertschätzung und Vertrauen für unsere Labelarbeit“, sagt Oliver Fröschke. Auf Le Pop 6 ist die 21-jährige Singer/Songwriterin mit dem 100%igen Ohrwurm „Pour un infidèle“ vertreten. Eine ganz besondere Version des Songs mit Duett-Partner Jimmy Hunt, der für den französischen Markt durch den Castingshow-Star Julien Doré ersetzt worden ist. Le Pop 6 präsentiert das zerbrechliche Original, das mit seinen 2:35 Minuten als luftig-leichter Radiohit daherkommt.  

Eine weitere Entdeckung dieser Reise durch die französischen Kulturregionen Kanadas ist Sängerin und Schauspielerin Stéphanie Lapointe, die mit ihrer glockenhellen Stimme auf „Eau salée“ in der großen Tradition des Sixites-Chanson steht. In eine ganz andere Richtung geht das junge Québec-Independent-Trio La Patère Rose, das mit „Chocolove“ abenteuerliche Tempo- und Rhythmuswechsel unternimmt. Die Multi-Instrumentalistin Caracol aus Montreal wiederum hat sich nach dem Ausstieg aus dem Bandprojekt DobaCaracol der Ukulele und ihrer alten Liebe, dem Rocksteady, verschrieben. Aus ihrem Debutalbum „L´abre aux perfums“ stammt „L´amour est un tricheur“, ein bezauberndes Chanson mit Jamaika-Vibes. Und natürlich präsentiert Le Pop 6 auch ein aktuelles Highlight des umtriebigen Montreal-Virtuosen Jérôme Minère, der in „Avril“ vom jüngst erschienenen neuen Album „Le vrai le faux“  zum verspielten Electro-Duett antritt.

Die Hitze von Louisiana und Arizona

Direkt zum Auftakt von Le Pop 6 überrascht der Multi-Instrumentalist Féloche. Das ex-Mitglied der Russen-Punkband VV (Vopli Vidopliassova) ist ein großer Fan des legendären Dr. John aus New Orleans. Für sein Debut-Album „La Vie Cajun“ hat er nun seine Version eines „Urban Bayou“-Sounds geschaffen. Im gleichnamigen Titelsong begleitet er den maulfaulen Gesang von Dr. John höchstpersönlich mit spröden Banjo-Klängen und einem entspannten Grundrhythmus. Mit Féloche schwappt der dichte (Blues-)Sound der Südstaatensümpfe zurück nach Europa. Die neue französische Szene erweitert stetig ihren Horizont. Dazu gehört auch der marschierende Uptempo-Beat von Tom Poisson, der mit seinem aktuellen Album „Trapéziste“ Gitarren-Folk-Begeisterung in seiner Heimat auslöst. Während die in Tucson/Arizona lebende Marianne Dissard einmal mehr ihre Kumpels von Calexico um sich versammelt hat und zu „The one and only“ ein ganz spezielle Blues-Atmosphäre schafft, die gelegentlich sogar an die fiebrigen Momente von Marc Bolans T-Rex erinnert. 

Schillernde Mischung

Die Erfolgsrocker von Mickey 3D sind im letzten Sommer mit der charmanten Nachwuchs-sängerin Cécile Hercule getourt. In Zuge dieser Live-Kooperation ist das  wunderschöne Duett „La chance“ entstanden. Erdige Gitarrenklänge und schwelgerische Chöre treffen auf zwei völlig unterschiedliche Stimmlagen, die es in sich haben.     

An Großmeister Matthieu Boogaerts erinnert Olivier Goulet, der auf Le Pop 6 sein internationales Debut mit seiner Ballade „Alors il y´a la lune“ feiert. Schauspielerin Emmanuelle Seigner, die seit 1989 mit Regisseur Roman Polanski verheiratet ist, bewegt sich seit einigen Jahren auch in musikalischen Sphären, etwa als Gastsängerin bei Suede-Mastermind Brett Anderson. Für das kernige „Dingue“ kooperiert sie mit Songwriterin Keren Ann, die ihr diesen kraftvollen Song auf den Leib geschrieben hat.  

„La Maison Ronchonchon“ von Alexis Djoshkounian alias Alexis HK ist sicherlich das skurrilste Stück auf Le Pop 6. Ein Wechselspiel von Orgeltönen und Alexis´ prägnantem Gesang, mit dem sich der charismatische Songwriter außerhalb aller Genregrenzen bewegt. Er mischt das Spektrum mit einer munteren Erzählung aus bizarren Fantasiewelten auf. Soundfrickler Toma ist als guter alter Bekannter des Hauses Le Pop seit der ersten Clubtour dabei. Sein bislang unveröffentlichtes „Je bois la mer“ verbindet Gainsbourg-artigen Gesang mit einer originellen Sample-Palette.

Von einem Matisse-Gemälde ließ sich Fredda zu der zerbrechlichen Ballade „Fenêtre a Collioure“ inspirieren. Der bärtige Eigenbrödler JP Nataf  trägt als ex-Frontmann der Band Innocents die Atmosphäre der amerikanischen Westcoast nach Frankreich und lädt mit „Viens me le dire“ zu einer melodisch-abgedrehten Soiree. Zum Finale von Le Pop 6 schlagen dann die Regler noch einmal aus: Der swingende Gitarrenhit „Propaganda“ von Yvan Marc wird zum krönenden Finale. „Ein floorfiller auf zahlreichen Le-Pop-Parties! Im Kontext mit den anderen Songs wird hier noch einmal sehr deutlich, wie groß die Bandbreite geworden ist“, sagt Rolf Witteler. Das neue französische Chanson hat sich endgültig aller stilistischen Fesseln entledigt.