Maria Kalaniemi

Maria Kalaniemi - Vilda Rosor

 Skycap Records / Rough Trade                                                            Veröffentlichung: 8. April 2011

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Musikvideo  'Under Fullmånen'

High Resolution download 'Under Fullmånen'

 Maria Kalaniemi gehört zu den absoluten Koryphäen auf dem Akkordeon und ist weit über ihre finnische Heimat hinaus zum Inbegriff einer Folkmusik avanciert, die mit Gefühl und Virtuosität, Geschichtsbewusstsein und weltoffenem Blick für die Moderne längst dem Nischendasein entflohen ist und weltweit viele Fans gefunden hat.

April.07      Denmark/Folkbaltica / Festival
April.08.     Denmark/Folkbaltica / Festival
April.09.     Flensburg/Folkbaltica / Festival
April.10.     Bremen / Moments / Radio Bremen-gig
April.11.     Dresden / Dreikönigskirche
April.12.     Ludwigshafen / Das Haus
April.13.     Karlsruhe / Tollhaus
April.14.     Bern / Dampfzentrale

Die 47-jährige hat sich seit ihrem Debütalbum aus dem Jahr 1991 zu einer vielbeschäftigten Musikerin entwickelt, die an mehr als 20 Albumaufnahmen maßgeblich beteiligt war und an insgesamt mehr als 100 Alben mitwirkte. Sie war nicht nur eine der ersten Studentinnen des seinerzeit neu eingerichteten Studiengangs für Volksmusik an der Sibelius-Akademie in Helsinki, sie ist heute am selben Institut berufene Kunstprofessorin, die ihr Können und Wissen an eine junge Generation weiterreicht, bei der Folk wieder höher im Kurs steht denn je.

 

„Vilda Rosor“ ist ähnlich wie schon der Vorgänger „Bellow Poetry“ (2006), auf dem Maria Kalaniemi alte finnische Runengesänge des Kalevala einfühlsam und melancholisch vertonte, ein Blick zurück in die Geschichte Finnlands. Diesmal sind es allerdings die schwedisch-finnischen Wurzeln, denen sie mit großer Neugierde nachspürt. Dazu sollte man wissen, dass die Akkordeonistin aus einer schwedisch-finnischen Familie stammt und mit beiden Sprachen aufgewachsen ist. Damit gehört sie zu einer Minderheit Finnlands, die in der Kultur des Landes ihre ganz eigenen Kreise gezogen respektive Blüten getrieben hat. So singt Maria Kalaniemi alle Gesangsbeiträge auf dem zehn Songs umfassenden Album „Vilda Rosor“ auf Schwedisch, wobei sie nicht nur Traditionals ganz nach ihrer Fasson arrangierte, sondern sich auch die Freiheit nahm, hier und da einige Textzeilen zeitgemäß aufzufrischen. Aufgenommen hat sie das Album mit ihrem Ex-Mann und langjährigen Kreativpartner Olli Varis (Akustikgitarre, Dotar) und Eero Grundström (Harmonium, Harmonika), mit denen sie derzeit als Trio ihre Konzerte bestreitet, sowie mit Arto Järvelä (Fidel), Mikko Kosonen (E-Gitarre), Pekko Käppi (Gesang, Jouhikko), Pekka Lehti (Kontrabass) und Janne Viksten (Banjo) als weiteren Gastmusikern.      

 

Experimentierfreudig war Maria Kalaniemi schon immer. Das zeigt sich auch an den unterschiedlichen Formationen, denen sie schon angehörte, allen voran Accordion Tribe, ein mit fünf Akkordeonspielern aus fünf Nationen (Österreich, USA, Slowenien, Finnland, Schweden) besetztes Ensemble, das international Furore gemacht hat. Nachdem Ende 2008 mit dem Schweden Lars Hollmer ein Gründungsmitglied starb, haben die verbliebenen vier Musiker ihr preisgekröntes Projekt erst einmal auf Eis gelegt. Mit dem besinnlich klingenden „Videpiano“ und dem heiteren „Cirkus 2“ hat Maria Kalaniemi zwei Instrumental-Kompositionen von Lars Hollmer in ihr neues Album „Vilda Rosor“ integriert und erweist ihrem verstorbenen Freund und Kollegen damit eine besondere Ehre. Doch der größte Teil der Kompositionen rekrutiert aus Fundstücken alter Grammophonaufnahmen: Traditionals, die Maria Kalaniemi dem Vergessen entrissen hat. Dazu zählen die christlich konnotierte Ballade „Magdalena på källebro“, die noch aus dem Mittelalter stammt, die tragische Moritat eines Brudermords „Sven i Rosengård“ und das aus dem 19. Jahrhundert stammende „De rosor och de blader“, in dem die ganze Schwermut des Balkan zu liegen scheint. Nicht zu vergessen der archetypische finnische Tango „Under fillmånen“, der vielleicht auf keinem folkloristischen Album finnischer Herkunft fehlen sollte.        

 

Eingerahmt ist das Album von zwei höchst vitalen Stücken: „I fjol“, ein Folksong, den  Maria noch aus ihrer Kindheit kennt und der sie an ihre Großmutter erinnert, sowie „Jeppo“, ein Stück einer gleichnamigen finnischen Band aus dem Jahr 1976. Während „I fjol“ einmal mehr die starke Affinität von finnischer Folklore zur Cajun-Musik aus Louisiana deutlich macht, ist „Jeppo“ für Maria Kalaniemi eine so große Entdeckung, dass sie zu der temperamentvollen Originalaufnahme einfach drauflos spielte. Besser kann man Tradition und Moderne nicht aufeinanderprallen lassen. Wer Maria Kalaniemi jemals live erlebt hat, ganz gleich, ob auf ihrem fünfreihigen Knopf-Akkordeon oder dem Freibass-Akkordeon, ist nicht nur von ihrem makellosen Spiel beeindruckt, sondern auch von ihrer stilistischen Grandezza, mit der sie durch die Gefilde von Folk, Klassik und zuweilen auch Jazz streift. Die große stilistische Bandbreite ihrer diversen Alben erklärt die Musikerin mit den durchaus ähnlich Ambitionen eines bildenden Künstlers, der in seinem Schaffen ebenfalls die unterschiedlichsten Perioden durchläuft. Doch stets gilt: Du musst Deine Wurzeln kennen und daraus etwas ganz Eigenes schaffen. Dieses Credo, das sie auch ihren Studenten zu vermitteln sucht, hat sie selbst auf „Vilda Rosor“ vorbildhaft beherzigt und mit der emotionalen Wucht ihres unvergleichlichen Akkordeonschwungs in die Tat umgesetzt.