Mi Solar - Havana Berlin

MI SOLAR – Havana Berlin

Skycap/Rough Trade EAN 4005902642859          Veröffentlichung: 04. November 2011


Mit leidenschaftlich loderndem Gesang und einem feinen Gespür für die hybriden Strukturen der Latin Music lassen MI SOLAR Cha Cha, Samba, HipHop, Merengue und Jazz in ihre Kompositionen mühelos einfließen.


Videotrailer


Die deutsch-kubanische Band Mi Solar gibt es seit nunmehr sieben Jahren. Sieben Jahre, in denen sich diese Formation mit Herz und Leidenschaft dem kubanischen Salsa verschrieben hat, ihn gleichwohl um zahlreiche Nuancen und Finessen aus anderen Spielarten lateinamerikanischer Musik erweitert hat. Dabei wartet das siebenköpfige Ensemble durchweg mit Arrangements auf, die dem Können und der Verve dieser superben Latin Band geschuldet sind. Dass Mi Solar mit Spitzenmusikern vom Jazz Institut Berlin, wenn nicht mit Naturtalenten gesegnet ist, hat sich seit geraumer Zeit herumgesprochen. Wie schon für ihr Debütalbum „Amistad“ aus dem Jahr 2008 erhielten Mi Solar auch für das neue Album „Havana Berlin“ den begehrten Studio-Preis des Berliner Senats, sprich zehn bezahlte Studiotage, was dem Septett ermöglichte, einen Großteil der neuen Songs unter besten Aufnahmebedingungen einzuspielen. Diesmal haben sich Mi Solar noch stärker als zuvor vom reinen Salsa entfernt, auch wenn gerade das Auftaktstück „Para Mi Amigos“ jedem Salsero heftigst in die Glieder fahren dürfte. Mit einem feinen Gespür für die hybriden Strukturen der Latin Music lassen Mi Solar Cha Cha, Samba, HipHop, Merengue und Jazz in ihre Kompositionen mühe- und nahtlos einfließen, stets angetrieben von der feurigen Mixtur aus Percussion, Bläsern und leidenschaftlich loderndem Gesang.


Erst im letzten Jahr haben sich Mi Solar neu aufgestellt. Das komplexe Geflecht aus weiblichen und männlichen, deutschen und kubanischen Musikern bei einem zwei Generationen umfassenden Altersunterschied bedeutet eben nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine menschliche Herausforderung. Trotz aller frühen Erfolge – besonders die Einladungen zum Montreux Jazz Festival in den Jahren 2005 und 2006 sind in guter Erinnerung geblieben – hielt die auf dem Debütalbum beschworene „Amistad“ der damals zehn Musikerinnen und Musiker am Ende nicht. Inzwischen jedoch weiß die Bassistin Maike Scheel, die die Band 2004 ins Leben gerufen hatte und auch eine der maßgeblichen Komponistinnen des Bandrepertoires ist, dass die jetzige Besetzung den gegenseitigen Respekt und die unbedingte Leidenschaft aufweist, die nötig sind, um es mit Mi Solar noch sehr weit zu bringen.


Dass die Band sowohl auf der Bühne als auch im Studio so ungemein authentisch wirkt, liegt vor allem an ihrer Leadsängerin, der aus Guantanamo stammenden Mayelis Guyat. Die seit zehn Jahren in Berlin lebende Kubanerin ist ein lebendes Abbild kubanischer Lebensfreude, eine geborene Frontfrau. Nicht von ungefähr hat man die vitale Sängerin schon die Celia Cruz von Berlin genannt. Nicht selten legt sie bei ihren Auftritten ein esperantofreundliches Tempo vor, dass einem glatt schwindelig wird. Es ist diese naturgegebene Impulsivität von Mayelis, die auch ihre Mitstreiter spürbar immer wieder mitreißt und anspornt. Sei es ihren kubanischen Gesangspartner Damian Blanco aus Havanna, mit dem sie mitunter wahre Gesangsgefechte austrägt, sei es Jotham Bleiberg, dem mit 30 Jahren jüngsten Mitglied der Band, der ebenfalls Kompositionen beisteuert und ein begnadeter Trompeter und Arrangeur ist. Jotham Bleiberg hat das Album „Havana Berlin“ gemeinsam mit Maike Scheel und dem Percussion-Spezialisten Philipp Kullen in dessen Phlexton Studio auch produziert. Philipp Kullen, der mit der Band eng befreundet ist, hat zudem alle Songs des Albums abgemischt und gemastert sowie diverse Percussion-Parts übernommen. Der Schlagzeuger Walter Doval Martinez aus Pinar del Rio ist der dritte Kubaner der Band, die mit dem deutschen Percussionisten Florian Schade und dem französischen Pianisten Thibault Falk, dessen nach ihm benanntes Jazzquartett ebenfalls schon einen guten Ruf genießt, das Worldmusic-Septett vervollständigt. Alle sieben Musiker sind übrigens noch in anderweitigen Bands und Projekten involviert, auch wenn in diesen Tagen ihr Herz für Mi Solar besonders stark schlagen dürfte.


Mit ihrem zehn Songs umfassenden Studioalbum „Havana Berlin“ haben sich Mi Solar neue künstlerische Perspektiven erschlossen. Dazu haben auch einige befreundete Gastmusiker beigetragen wie etwa die Flamenco-Künstlerin Marta La Puxta, die eine Kostprobe ihrer Gesangskünste zu „Mi Amor“ liefert, während die Gitarristin Silke Fell dasselbe Stück zu einem jazzrockartigen Crescendo führt. Weitere Akzente setzen die Geigerin Stephanie Gonsior („El Reencuentro“) und der Percussionist Philipp Beerwald („Pa Que Me Vale“). Und der Posaunist Simon Harrer und der Saxophonist Dan Freeman sorgen für noch mehr Druck in dem temperamentvollen Songreigen, der alle Ingredienzien eines modernen Worldmusic-Albums aufweist. „Havana Berlin“ mag auf karibischem Nährboden angelegt sein, aber seine weitverzweigten stilistischen Triebe schlagen in alle möglichen Richtungen aus. Jazzfreunde werden an diesem farbenfrohen Kunstwerk ebenso ihre helle Freude haben wie eingefleischte Salsa-Fans. Und während der wunderschöne Bolero „Como La Primera Vez“ für eine romantische Atempause sorgt, beweisen Mi Solar auch mit Ruben Blades‘ „El Cazanguero“ und einer mutigen Interpretation des kubanischen Klassikers „Chanchan Son“, dass sie sich von Traditionen zwar gerne inspirieren lassen, aber stilistisch immer wieder Grenzen überschreiten und musikalisches Neuland entdecken. Mit „Havana Berlin“ im Gepäck dürfen sich Mi Solar jedenfalls auf eine neue Welle von Konzertanfragen gefasst machen. Eine hochkarätigere musikalische Visitenkarte hat die deutsch-kubanische Freundschaft schließlich nur selten hervorgebracht.

www.misolar.de