Mísia

Mísia – Ruas                                        Veröffentlichung: 17. April 2009

(Universal)

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Straße des Schicksals -  Mísia - das moderne Gesicht des Fado

 

Mìsia is drawing tears in any language.

Johanna Keller in

The New York Times

 

 

Konzerte

23.04.09 Düsseldorf, Schauspielhaus
24.04.09 München, Muffathalle

05.08.09 Bad Vilbel, Burgfestspiele

 

 

 

Mísia, der portugiesische Weltstar, jene Sängerin, die den zeitgenössischen Fado wie keine andere geprägt hat, veröffentlicht mit Ruas (Straßen) jetzt ein spektakuläres, neues Album. Es ist ein Doppelalbum geworden, nur folgerichtig, vereint dieses Opus doch zwei ganz eigene, starke Konzepte, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben und letztlich doch - als Audruck der vielgestaltigen Persönlichkeit Mísias - zusammenfinden:

Die erste CD, Lisboarium, verkörpert eine poetische Wanderung durch Lissabon, und bedient sich weitgehend der Mittel des traditionellen Fado.

Auf CD 2, & Tourists, tut Mísia das, was während einer fast 20-jährigen, erstaunlichen Erfolgsgeschichte zu ihrem musikalischen Markenzeichen geworden ist: Sie überschreitet (oder erweitert) die Grenzen ihres musikalischen Heimatgenres und verarbeitet jene musikalischen Einflüsse, die sie während der vergangenen beiden Jahrzehnte berührt und beinflußt haben.

Mísia singt längst nicht nur Fados; sie interpretiert Tangos, Boléros, französische Chansons - aber auch Hits wie Hurt (Nine Inch Nails) oder Love Will Tear Us Apart (Joy Division) in faszinierenden Coverversionen.

 

Mísia, mit bürgerlichem Namen Susana Maria Alfonso de Aguiar, gilt, in der Nachfolge der 1999 verstorbenen Fado-Legende Amália Rodriguez, als d i e Stimme des modernen Fado. Wie keine andere Künstlerin des Genres hat sie mit Tourneen und CD-Veröffentlichungen weltweite Erfolge gefeiert und zudem das Spektrum des Fado um neue Instrumentierungen und zeitgenössische Texte erweitert.

Mísia wurde 1955 in Porto als Tocher einer Tänzerin aus Barcelona und eines portugiesischen Ingenieurs geboren. Mit 20 Jahren zog sie nach Barcelona, um die Destape, die damals grenzenlos erscheinende neue spanische Freiheit der post-Franco-Zeit in sich aufzusaugen und eine Karriere in den glitzernden Cabarets des Parralelo, des catalanischen Broadway, zu beginnen.

Die nächste Station in Mísias Leben war Madrid, wo sich in zahlreichen Nightshows ihr charkteristischer „look“, der Pagenschnitt, der geometrische Pony, die Kunstfigur Mísia herausbildete. Ihr Künstlername ist eine Hommage an die berühmte Pariser Muse Misia Sert, die, neben vielen anderen Größen, Debussy, Caruso, Renoir, Picasso, Zola und Proust inspirierte.

 

 

 

Die Rückkehr in ihre Heimat Portugal markiert Anfang der 90er Jahre auch die Geburt der Fadokünstlerin Mísia. Sie zieht nach Lissabon mit einem felsenfesten Vorsatz: Ihre eigene Version des Fado zu singen. Das bedeutet von Anfang an, dass Mísia sich Feinde macht, und zwar in doppeltem Sinn: Intellektuelle und progressive Kräfte lehnten zu dieser Zeit den Fado, ebenso wie etwa den Fußball, als Symbol des kleingeistigen, zurückgeblieben, verknöcherten Portugals der Jahre der Salazar-Diktatur ab. Den konservativen Anhängern des Musikstils hingegen missfiel Mísias „neuer“ Fado, der das traditionelle Instrumentarium (Gitarre, Viola, Bass) um Akkordeon, Violine und Klavier erweiterte und aktuelle Texte vertonte, die so hochkarätige Dichter wie etwa der portugiesische Nobelpreisträger José Saramago für Mísia verfaßt hatten.

Der Erfolg ihrer geistigen und ästhetischen Überarbeitung des Fado stellt sich zunächst im Ausland, erst einige Zeit später auch in Portugal ein: Mísias frühe Tourneen und CDs werden in Spanien und Japan, in Deutschland und Frankreich entusiastisch gefeiert, nach 1993 tritt sie weltweit auf und arbeitet mit Künstlern wie Maria João Pires, Maria de Medeiros, Fanny Ardant und Ute Lemper zusammen. Seit 2005 lebt Mísia in Paris.

 

Entsprechend dieser räumlichen Trennung träumt die Künstlerin auf Lisboarium aus der Ferne von Lissabon. Sie versteht ihre CD als eine subjektive, poetische Inventur der Stadt, vorbeiflanierend an allen Elementen, die die Atmosphäre des Ortes ausmachen. Zwar dominieren die Fados, aber es gibt auch Abstecher in andere Genres, die den Klang der Stadt mitbestimmen, etwa in die Marchas de Lisboa, die Musik der traditionellen Stadtviertel-Paraden, oder, mit Joana Rosa, in die kapverdischen Mornas, stellvertretend für die afrikanischen Einflüsse, die in Lissabon allgegenwärtig sind. In Mísias eigenen Worten: „Lisboarium wurde in Paris geboren, wo ich darauf warte, dass mich die Sehnsucht überfällt. Lisboarium ist ein Traum, in dem alles möglich wird, sogar ein Fado auf Französisch, der von einem der größten lebenden Dichter Portugals geschrieben wurde, Vasco Graça Moura. Die Schiffe, die Möwen, die Kirchenglocken, das besondere Licht Lissabons. Lissabon und seine Männer mit den Gabardinemänteln, schwarzen Regenschirmen und Schnurrbärten, Lissabon und seine kurzbeinigen Hunde...“

 

Auf & Tourists, der zweiten CD, bringt Mísia die musikalischen Reisen, die sie in den vergangenen beiden Dekaden beeinflusst haben, zum Ausdruck. Hier werden Werke von unterschiedlichsten Künstlern aus aller Herren Länder versammelt. Aber es gibt einen roten Faden, der sich durch alle Songs auf & Tourists zieht, ein Faden, der ganz nah an der saudade ist, jenem nicht restlos übersetzbaren Inbegriff portugiesischer Lebensmelancholie: Hurt handelt ebenso von der Tragik menschlicher Schicksale, von Verhärtungen und Verwundungen, wie das von der französisch-italienischen Chansoneuse Dalida einst so großartig interpretierte Pour ne pas vivre seul. Love Will Tear Us Apart singt, wie auch das berühmte neapolitanische Lied Era di Maggio, vom Scheitern der Liebe. Mísia: „Die Touristen sind Künstler von anderen Straßen der Welt, von denen ich glaube, dass sie eine „Fado-Seele“ besitzen. Einige von ihnen hätten sicherlich Fado gesungen, wären sie in Portugal geboren. Ihre Fado-Seele zeigt sich in ihrem tragischen Bezug zum Leben, der in ihrer Musik und ihrem Werk deutlich wird. Und sie zeigt sich in einer Art existenzieller Erschöpfung, gemacht aus extremen Emotionen, künstlerischem Risiko und Einsamkeit.“

 

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