Nils Wogram & Nostalgia sturm und drang

Nils Wogram & Nostalgia - Sturm Und Drang    

Nwog 003/ Vertrieb JaKla / harmonia mundi                                                  Veröffentlichung: 2. September 2011

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Wenn „Sturm und Drang“ nur ein wenig Schule machen könnte, würde dieser Form des Jazz in so manchem Club, der etwas auf sich hält, Tür und Tor offen stehen: ...DJ-Underground - Jazz-Set vs. Blue Lounge, urbane Grooves vs. atmosphärischer Klang-Biotop vs. Dancefloor und Chill-Out-Zone...

Live

16.09. Essen
22.09. Uster/CH
29.09. Wittlich
30.09. Northeim
01.10. Ulm
02.10. Bad Hersfeld
17.10. Bergkamen

 

Der 38-jährige Posaunist, Komponist und Produzent Nils Wogram zählt ohne Übertreibung zu den umtriebigsten Jazzmusikern deutscher Zunge. Der in Köln und Zürich lebende Musiker unterrichtet eher nebenbei an der Jazzschule in Luzern, denn sein eigentliches Zuhause, sein musikalischer home turf, auf dem er sich am liebsten auslebt, ist und bleibt die Bühne. Circa vier Monate im Jahr ist Nils Wogram auf Tournee, was ihn nicht davon abgehalten hat, eine wahrlich imposante Zahl von Albumveröffentlichungen auf den Weg zu bringen. Mehr als zwei Dutzend Longplayer seit seinem Debüt „New York Conversations“ aus dem Jahr 1994 sind selbst in Jazzkreisen mehr als imposant – dieser kreative Output ist schlichtweg exzeptionell. Sein Trio Nostalgia ist dabei nur eines von derzeit vier Ensembles, denen Nils Wogram als Leader vorsteht, darunter die renommierten Root 70 und ein Septett aus Berliner Musikern.


„Hierzu  habe ich mich bekannter Grooves bedient und sie teilweise rhythmisch verändert, ohne ihnen ihren eigenen Charakter zu nehmen“, so Nils Wogram, der acht der zehn Stücke selbst komponiert hat. Der Albumtitel „Sturm und Drang“ ist mit Bedacht gewählt, definiert Wikipedia diesen historischen Begriff doch als „Grundstein für die Überwindung der Vernunftherrschaft und eine Entfesselung des Gefühlsüberschwangs, der Fantasie und der Gemütskräfte als neue dichterische Grundhaltung". Besser könnten auch Nostalgia ihre Intention kaum beschreiben.


Die zehn Tracks auf „Sturm und Drang“ changieren zwischen Dancefloor und Chill-Out-Zone, zwischen DJ-Underground-Jazz-Set und Blue Lounge, zwischen urbanen Grooves und atmosphärischem Klang-Biotop. Einerseits agieren die drei Musiker enorm locker und freidenkerisch, andererseits auf künstlerisch hohem Niveau und großer Disziplin. Die von Wolfgang Stach im Kölner Maarwegstudio aufgenommenen Stücke sind allesamt höchst dynamisch. Der Opener „Funky Neighborhood“ bildet dazu einen brillanten Eisbrecher, der in die Groove-Welt von Nostalgia enführt, in der die Hammond in Flammen steht, die Drums den Bass gleich mit ersetzen und die Posaune jedes Tempo, jede Tonlage geht. Mal klingt sie bei Wogram wie eine Trompete, mal wie ein Didgeridoo.

 

Wograms Posaunenklang nähert sich auf dem zehnminütigen „Fundamentals“, einem musikalischen Geburtstagsgeschenk für die Mutter, gar sehr stark Miles Davis, diesem Jazzgott der Melancholie.

In den elegischen Momenten wie „Country Rain“ und „Thick Air“ strahlen die Songs etwas Geheimnisvolles, ja Sakrales aus. Die mitreißendsten Takes sind jedoch das unbekümmerte „Copenhagen“, eine Hommage an die großartige Zeit auf dem Copenhagen Jazz Festival, bei dem sich die dänische Hauptstadt in eine einzige große Bühne verwandelt, in einen Schmelztiegel der Klänge und Kulturen. Oder die Art und Weise, wie Nostalgia in dem finalen „Swing Em Home“ Brass-Band-Swing und Reggae-Grooves gegeneinander laufen lassen, das ist schon zappaesker Slapstick mit historischer Finesse und dem im Jazz oft fehlenden Humor.

Nils Wogram hat sich für das Cover-Artwork in der pittoresken Dachstube eines Dichters und Denkers ablichten lassen. Auch das hat seinen Witz. Weggedöst zwischen Flaschenbier, Fast Food und Notenblatt träumt hier ein außergewöhnlicher Musiker, der ein Stiefkind des Jazz, die Posaune, zu seinem Hauptinstrument gemacht hat: Wenn „Sturm und Drang“ nur ein wenig Schule machen könnte, würde dieser Form des Jazz in so manchem Club, der etwas auf sich hält, Tür und Tor offen stehen. Im September geben Nostalgia mit ihrem Sturm-und-Drang-Gepäck erst nur ein paar Konzerte, denn Nils Wogram wird im Spätsommer zum dritten Mal Vater. Auf große Tour mit Nostalgia geht es dann im nächsten Jahr. Dann wird mancher DJ vielleicht schon längst auf den eigenwilligen Zauber dieses Crossover-Jazz mit all seinen emotionalen Unwägbarkeiten und stilistischen Kapriolen zurückgegriffen haben. Attacke!


http://www.nilswogram.com/index.php