Nils Wogram & Simon Nabatov Moodes & Modes

Nils Wogram & Simon Nabatov -  Moods & Modes

 nWog CD 002 – EAN: 7640138443794                    Veröffentlichung: 21. Januar 2011         Worldwide distributed by JaKla, Germany

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Interviewfiles (mp3 ZIP Ordner) und Fragenkatalog Nils Wogram zu 'Moodes&Modes'

 

Der Konsens, der nötig ist, wenn man als Duo auftritt, ist keine Luftmatratze, die man nur schnell wieder aufblasen muss.

 

Wenn etwas überaus Schwieriges, nachdem es vollbracht ist, nach außen den Eindruck erweckt, es sei eigentlich ganz leicht gewesen, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass es gelungen ist. Die Duo-CD „Moods and Modes“ des Duos Nils Wogram/Simon Nabatov, Posaune und Klavier, kann in diesem Sinne als überaus gelungen gelten. Eine große Leichtigkeit, eine souveräne Selbstverständlichkeit herrscht in schwierigstem Gelände. Es gibt eine pulsierende, sich ständig verändernde und nie versiegende Intensität des Zusammenspiels,  und es gibt ein wunderbar ausbalanciertes Ohne- und Miteinander und immer eine nachdrückliche Dualität.

 

"Moods & Modes" beginnt weit oben, eilt dahin, taucht eine Etage tiefer wieder auf und kommt endlich auf den Boden, wo Simon Nabatov mit seiner nachdrücklich strukturierenden Linken wartet, eine schnelle Tonfolge, Klavier und Posaune verhaken sich melodisch ineinander, um in aller Eile genug Zeit zu haben, nicht aufeinander warten zu müssen, und es dauert einige Zeit, bis es bedächtiger weiter gehen kann. "Assuming" geht ein Stück weit, hebt neu an, geht wieder ein Stück voran, beginnt dann noch einmal und fließt dabei doch unbeeinträchtigt dahin, auseinander- und wieder zusammen fransend, mit leisen, gehauchten, getupften Passagen, bis beide Musiker sich wie erleichtert im Thema freundschaftlich aneinander lehnen. Und den Atem schöpfen, mit dem "Full Stop" beginnt, durch die Posaune, in verschiedenen Tonhöhen. Eine geduldige, unaufhaltsame Seigerung bis ins Machtvolle folgt, Nabatovs linke Hand in Bodennähe, die rechte mit weiträumigen, kraftvollen, windeseilenden Flugbewegungen beschäftigt, die Landung reibungslos. Der erste Gedanke von "First Thought - Best Thought" ist ein melodischer, fast sanfter Gedanke, den das artikulatorische Raffinement und eine alles andere als simple Linienführung vorm Barmusik-Verdacht bewahren, bevor er zielgerichtet in die Ferne gleitet, während von tief unten der zweite Gedanke aufsteigt in einem fast tektonischen Prozess am Klavier. Die Posaune hält am ersten Gedanken fest, das Klavier am zweiten - eine Frage von Zeit und Arbeit, bis sie vereinbar sind. Bei "Split the Difference" wird nicht synchron, sondern leicht verschoben, aber parallel und wieder weiter oben begonnen, um am Ende bei einer ausklingenden Atem-Perkussion zu landen. "Moving in" beginnt elegisch, ein untrügliches Zeichen dafür, dass es  so nicht weitergeht. Simon Nabatov findet immer gute Gründe für virtuose, unbändige Improvisationen, und er schafft es immer, seine Ausbrüche als unausweichlich erscheinen zu lassen. Nils Wogram findet zum richtigen Zeitpunkt immer einen Einstieg. "Danca nova" ist kein ganz neuer Tanz, eher ein Strawinsky' scher Petruschka-Erweckungs-Tanz, bei dem sich der Tänzer erst selbst zusammensetzen muss und dann an Gewicht zunimmt. Es dauert einige Zeit, bis ein Rhythmus markiert wird, Munterkeit und angeregte Lässigkeit breiten sich aus und eine Vorliebe für die Taktschwerpunkte. Die gibt es auch bei "Speak Up!", allerdings ungerade - eine wunderbare Gelegenheit, sich zunächst  lyrisch und vertrackt zu umspielen und dann mal klar zu sagen, was hier Sache ist. Simon Nabatovs "The Song I Knew" wendet sich zurück und achtet darauf, dass nicht etwas, was schon da war, noch einmal aufgegriffen wird.  Was daran schwierig war? Im zeitgenössischen Jazz gibt es kaum etwas Schwierigeres als ein Duo. Im Duo muss man, auch wenn das erst einmal paradox klingt, alles selbst machen. Die kleinste mögliche Gruppe wirkt wie eine Lupe, die alles, was einer tut, vergrößert und ganz und gar unausweichlich macht. Sobald man aufhört, alles selbst zu tun, was geschehen soll, lässt man den Duo-Partner hängen, der auch alles selbst machen muss. Duo ist eine komplizierte Aufgabe und daher eine beliebte Konstellation im Jazz. Es ist kein Betätigungsfeld für Experimente und Abenteuer. Man arbeitet nicht an Dingen, zu denen man erst noch gelangen will, sondern feilt an dem, was und wo man ist. Das kann man nicht mit jedem Partner. Nils Wogram und Simon Nabatov haben ihr erstes Duo-Album, „As We Don’t Know it“, noch im letzten Jahrhundert eingespielt, "Moods & Modes" ist das fünfte. Eine alte Ehe? Die fast altmeisterliche Behandlung der Themen, das enorme Traditions- und Geschichtsbewusstsein scheinen das zu bestätigen, genau wie das Timing, diese kniegelenkartig eleganten, organischen Übergänge zwischen Thema, begleitetem Solo, unbegleitetem Solo, Thema - eine fruchtbare, konsolidierte künstlerische Beziehung.Allerdings eine, die von ihrer Unsicherheit lebt und von ihren Veränderungen. Wenn das Duo Nils Wogram/Simon Nabatov im Jahre 2010 nicht eine ganz andere Konstellation als vor elf Jahren bildeten, gäbe es nicht diese angespannte Leichtigkeit. Sie rührt daher, das man, je besser man sich kennt, umso mehr Fragen aneinander hat und umso genauere Wahrnehmungen voneinander. Der Konsens, der nötig ist, wenn man als Duo auftritt, ist keine Luftmatratze, die man nur schnell wieder aufblasen muss. Er muss immer wieder neu erarbeitet und mit dem ebenso nötigen Dissens ausbalanciert werden. Bei Nils Wogram und Simon Nabatov hat diese Arbeit jetzt schon fünf Mal ganz erstaunliche Ergebnisse zu Tage gefördert. http://www.nilswogram.com