Tomas Sauter_Daniel Schläppi_first day in spring

Tomas Sauter / Daniel Schläppi - First Day In Spring

 

CATWALK CW 110008-2/ Ja Kla / ALIVE    EAN 4013495110082     Veröffentlichung: 17.Juni 2011

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Das Duo ist die Königsklasse der Musik, kein Podium der Eitelkeiten. Es ist Kommunikation pur, unmittelbare, ehrliche und für jedermann nachvollziehbare Kreativität.


Beiläufig schön.
Tomas Sauter macht die Ausnahme. Wo andere Gitarristen dazu neigen, ihre Geläufigkeit zur Schau zu stellen, hält der Ästhet aus Biel mit seinem Können zunächst hinterm Berg. Es geht ihm um die Balance der Klänge, die Finesse, die detaillierte Ausgestaltung von Klangräumen, um die präzise Ausarbeitung der Dramaturgie, überhaupt um das Geheimnis des schönen, bewegenden Klangs. Und aus diesem Grund ist die Form des Duos eine besondere Herausforderung. Denn auf der einen Seite bietet sie Freiheit, ist die Urzelle musikalischer Kommunikation und macht es möglich, sich zwischenzeitlich fallen zu lassen, ohne die Kontrolle im klar definierten Miteinander zu verlieren. Darüber hinaus aber verzeiht sie auch keine Eitelkeiten, denn jedes Duo wird erst dann wirklich überzeugend, wenn es vom Bedürfnis getragen ist, den jeweiligen Partner gut klingen lassen zu wollen. Mit anderen Worten: Duo ist die Königsklasse der Musik, kein Podium der Eitelkeiten wie das solistische Programm, auch kein Ensemble mit der Möglichkeit, sich hinter einem opulenten Gruppeneindruck zu verbergen. Es ist Kommunikation pur, unmittelbare, ehrliche und für jedermann nachvollziehbare Kreativität.


Dezent selbstbewusst.
Das weiß auch Daniel Schläppi. Als Kontrabassist fällt ihm in der Regel die Aufgabe zu, möglichst unauffällig eine Band zusammen zu halten. Das gehört zum Profil des Instruments, hat seinen Reiz, wenn es etwa darum geht, aus einem soliden Klangeindruck einen herausragenden zu machen. Denn wenn der Bass nicht passt, bricht sowohl der Groove als auch das Soundgefüge eines Ensembles an sich zusammen, weil die tiefen Töne von Menschen gerne mit einem Gefühl der Sicherheit und Verlässlichkeit verbunden werden. Bassspielen ist also Verantwortung. Das gilt im besonderen Maße für das Zwiegespräch im Duo. Manche Bassisten neigen dazu, den ganzen Raum zu füllen, darüber hinaus auch noch den Rhythmus zu dominieren, aus des Sorge heraus, es könnte etwas fehlen. Daniel Schläppi sieht das anders. Seine Rolle ist es, einen Flow zu kreieren, in dem sich beide Musiker treiben lassen können. Er will Räume öffnen, Perspektiven offerieren, ohne damit sein Gegenüber einzuschränken. Er ist Impulsgeber und Partner, Alter Ego und Kommentator und bietet ein dezentes, aber selbstbewusstes Korrektiv für den Fall, dass die Offenheit in Klischees zu kippen droht.


International gefragt.
Tomas Sauter und Daniel Schläppi spielen seit 2005 im Duo. Der Gitarrist aus Biel und der Bassist aus Bern gehören zu den Autoritäten der Schweizer Jazzszene und beide haben sich über die vergangenen zwei Jahrzehnte hinweg einen internationalen Ruf als herausragende Instrumentalisten erarbeitet. Tomas Sauter hat nach dem Studium am Konservatorium in Luzern in New York am Purchase College und bei Meistern wie John Abercrombie und Hal Garper gelernt. Sein Können und seine profunde Musikalität brachten ihn mit Koryphäen wie Chris Cheek, Tony Malaby, Markus Stockhausen oder Manu Katché zusammen und führten dazu, dass er neben zahlreichen eigenen Projekten seit 2004 sein Wissen auch als Dozent für Jazzgitarre an der Hochschule Bern weitergeben kann. Daniel Schläppi hat nach den Anfängen am Klavier zum Kontrabass gewechselt, zunächst als Autodidakt, dann als Meisterschüler von Rufus Ried seinen persönlichen Stil gefunden, der ihn wiederum mit vielen internationalen Kollegen wie Art Farmer, Eric Alexander oder als Bandleader mit Musikern wie Dominic Landolf, Colin Vallon oder Nils Wogram zusammengeführt hat. Ein Kunststipendium sorgte außerdem im vergangenen Sommer dafür, dass er Aufnahmen mit Marc Copland verwirklichen konnte, die 2012 erscheinen werden.


Vollendet harmonisch.
So sind die Voraussetzungen ideal, dass aus zwei eigenständigen Klangwelten ein eigener gemeinsamer Kosmos entsteht. Ursprünglich hatten sich Tomas Sauter und Daniel Schläppi im Rahmen eines Big-Band-Projektes kennen gelernt, bei dem sie auf die jeweilige gestalterische Kompetenz des andern aufmerksam geworden und daraufhin ins Gespräch gekommen waren. Trotzdem dauerte es noch eine Zeit, bis sie es musikalisch zu zweit versuchten. Dann aber stimmte die Chemie vom ersten Moment an. “Eigentlich hätten wir nach der ersten Probe schon auftreten können”, erinnert sich Daniel Schläppi an den Start des Duos, und tatsächlich war schnell genügend eigenes Material vorhanden, um die CD “Indian Summer” (2006) aufzunehmen. Zahlreiche Konzerte schlossen sich an, das Duo entwickelte sich vom Geheimtipp zum gern gesehen Gast auf europäischen Bühnen. Das Repertoire veränderte sich, neue Stücke, fast ausschließlich aus der Feder von Tomas Sauter, kamen hinzu, so dass sich die Künstler entschlossen, im vergangenen November ein zweites Album aufzunehmen.


First Day In Spring
“First Day In Spring” wurde im Edel-Studio von La Buissonne in der Nähe des südfranzösischen Avignon aufgenommen und gemischt und entfaltet ein weites Panoptikum der musikalischen Themen, Stile und Ideen. Das Spektrum reicht vom kammerjazzig Balladenhaften bis zum versteckten Blues, vom impressionistisch Fließenden bis zur detailverliebten Miniatur, von folkinspirierten Klangassoziationen bis zum pfiffig verschmitzten Modern Sound. Schon das Titelstück “First Day In Spring” entpuppt sich als eingängige und zugleich anspruchsvolle Ballade, die in Anlehnung an die kammerjazzigen Achtziger harmonisch opulente und melodisch verschmitzte Assoziationsräume anbietet. “Old School” wiederum spielt mit den Klischee des Standard-Playings und gibt eine scheinbar typische Jazzform vor, nur um sie im Anschluss daran augenzwinkernd zu hinterfragen. “Lost In A Book” wiederum spielt mit Stimmungen, Farben und führt den Hörer mit gelassenem Puls durch eine introvertiert schöne Welt zarter Gitarrenmotive. Über insgesamt 18 Kapitel hinweg fusionieren Sauters und Schläppis Gestaltungswelten auf diese Weise mit einer betörenden Selbstverständlichkeit und ermöglichen es den beiden Meistern des Filigranen, musikalische Gespräche abseits der gängigen Hörerwartungen zu entwickeln. Das ist vollendet harmonische Duo-Kunst, würdig, viel gehört zu werden.

 

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www.danielschlaeppi.ch