Wortfront 'Freilandherz'

Wortfront - Freilandherz
(TextTon/ Broken Silence)      Veröffentlichung: 19. Februar 2010

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Liebevoll und schonungslos zugleich umhüllt Musik die Texte - Wortfront trifft schmerzhaft und mit Leichtigkeit auf den Punkt: Das Leben bleibt im Grunde ein Triumph der Möglichkeit.

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In unseren hektischen Alltag, in dem das eigentliche Leben oft zur Nebensache kategorisiert wird, bringt  Wortfront Lieder, die helle Punkte im Meer aus Regen und Nacht sind.

Lieder von Wortfront sind nicht nur Lieder. Sie sind Momentaufnahme, Milieustudie und Mahnung in einem. Es geht sarkastisch zur Sache und oft verdichtet sich ein Song zur blitzenden Satire, doch es macht stets ein hübsches Geräusch, wenn bei Wortfront Tabus brechen – weil neben allem skurrilen und bitterbösen Humor immer genug Platz für zärtliche Botschaften bleibt, die direkt ins Herz treffen.

Liebevoll und schonungslos zugleich umhüllt Musik die Texte: Da reißt ein raues Schlagzeug wütend das Tempo an sich, dort geht ein dumpfer Basslauf direkt unter die Haut – und über allem schwingt stets die Magie der Streicher, die mal mit süßem Schmelz, mal mit kratziger Attitüde die Arrangements nach vorne treiben.

„Freilandherz“ ist das vierte Album von Wortfront, das auf der gleichnamigen „Freilandtour“ vorab präsentiert wird und die Band in einer verblüffend neuen Klangwirkung zeigt.

Die bereits bei ihrem ersten Album durch den Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Künstler verabschieden sich zunehmend von elektronisch vorprogrammierten Klängen. Sie lassen ihrer Musik freien Lauf. Das neue Schlagzeug raut den Sound auf, rockig angehauchte Arrangements mit Pop-Appeal sorgen für ein kleines kommerzielles Kalkül, trotzdem bleibt Wortfront dem vertraut anspruchsvollen Sound treu und traut sich noch immer, freche Symbiosen mit klassischen Klängen einzugehen.

Das Programm zur neuen Show überrascht durch Vielseitigkeit: Da schmiegt sich ein vorlauter Popsong an ein Lied mit fröhlicher Tango-Noblesse, da folgt eine handgemachte Rocknummer auf einen Song mit chanson-esker Attitüde, da brennt sich ein gerappter Sommerhit direkt in die Gehörgänge, da weckt eine zärtliche Ballade mit schwermütigem Text tiefe Sehnsüchte.

Die Texte sind wie gewohnt bissig, grandios gereimt, witzig und bei alledem immer leicht von der typischen Wiener Melancholie umweht. Vom „Leben aus der Dose“ erzählen sie mit einem Augenzwinkern: „Sei doch kreativ, mein Sohn, und gestalte selbst Deinen Klingelton“, nur um gleich darauf im Titelsong „Freilandherz“ zu bekennen, dass es heute so etwas wie „Zu Hause“ nicht mehr geben kann und Heimat ein fremdartiges Gefühl ist: „Ich bin hier zwar zu Hause und bleib doch nur ein Tourist“. Das Freilandherz von Wortfront ist „nicht mehr gerade neu, mehr aus den 80er Jahren“, wie sie texten, doch sein Schlag ist „immer noch tight“ – das wird hier eindrücklich bewiesen. Der „Klofrau vom Hauptklo im Kanzleramt“ ist das alles ziemlich gleichgültig, denn „wir glauben an Ideale, sie glaubt nur an Sauberkeit“. Nicht nur der Gegenwart schlägt Wortfront eine erhellende Bresche, auch die Zukunft wird frech besungen, zum Bespiel, wenn Roger Stein sich als Rentner imaginiert und gesteht: „Dann bin ich ein alter Sack und fasle nur von gestern und starre auf die Beine von jungen Krankenschwestern“, und am Ende der Show wird bitterböse dazu aufgefordert „Stirb, bevor’s zu spät ist“ – weil man heutzutage einfach besser selektieren muss. Wortfront trifft schmerzhaft und mit Leichtigkeit auf den Punkt: Das Leben bleibt im Grunde ein Triumph der Möglichkeit.

Die fünf Musiker stellen mit diesem Programm Songs vor, die es in dieser Kraft, in dieser Virtuosität so schnell kein zweites Mal gibt.

Ulrich Maiss bedient das klassische Cello ebenso perfekt, wie sein seltenes elektrisches Basscello mit seinem Sound jeden Rockbass in den Schmollwinkel vertreiben kann.

Paolo Eleodori, in Jazzkreisen bestens bekannt, zeigt schlagzeugerische Vielseitigkeit von HipHop über eingängigste Pop- und Rockrhythmen bis hin zu perkussiven Sonderleistungen.

Die junge Israelische Ausnahmebegabung Kinneret Sieradzki überzeugt mit tiefen, satten und treffgenauen Geigenklängen auf dem Niveau höchster Philharmonie.

Natürlich agiert Frontfrau und Lale-Andersen-Preisträgerin Sandra Kreisler wie stets mit einer Präsenz und Überzeugungskraft, die ihresgleichen sucht, und man versteht, warum sie ihr umjubeltes Soloprogramm leichten Herzens für diese Formation aufgibt.

Aber all dieses weit gefächerte Können wäre nur halb so beglückend, wären da nicht die genialen Songs von Roger Stein. Der Schweizer Dr.phil mit Wiener Charme schreibt Texte, die man getrost mit jenen von Rio Reiser, Konstantin Wecker oder gar Georg Kreisler vergleichen kann – dazu aber paaren sich mit seinem scharfsichtigem Witz und seinem herzerwärmenden Charme auch eine Begabung, Musik zu komponieren, die fest im Heute steht und die mit Ohrwurmqualität zugleich Jung und Alt begeistern kann.

Wenn man nach einer Show von Wortfront den Saal verlässt, hat man sich ein Stück eigenes Leben  zurück erobert. 

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