Jil Pappert – Public Secret
Zwischen Jazz, Soul und Großstadtpoesie: Jil Pappert verwandelt Alltägliches in ein musikalisches Abenteuer. Verborgene Wahrheiten und überhörte Geschichten werden hörbar und Alltägliches verwandelt sich in New Urban Jazz.
Die Stimme ist ein Lautsprecher der Seele. Sie bringt nicht nur zum Ausdruck, was ein Mensch denkt oder fühlt, sondern auch, was er im Vorübergehen mitnimmt, ablegt und einordnet. Genau dieser Vorgang verbirgt sich hinter dem Titel „Public Secret“, dem Debütalbum der Mannheimer Sängerin Jil Pappert und ihrer Band. Eine Songsammlung, bei der es um die offensichtlichen Geheimnisse unserer Umgebung geht, die zwar allen zugänglich sind, von den meisten Menschen aber trotzdem übersehen und überhört werden.
Jil Pappert ist eine Meisterin der menschlichen Zwischentöne. Sie legt sich ungern fest, sondern macht Angebote und überlässt es ihrer Hörerschaft, mit der Leinwand, den Pinseln und Farben, die sie zur Verfügung stellt, ihre eigenen Bilder zu vervollständigen. Dabei kommt der Sängerin ihre stilistische Bandbreite ebenso zugute wie ihr breites vokales Ausdrucksspektrum und natürlich die variablen Möglichkeiten ihrer siebenköpfigen Band. Um sich von Schubladen oder Zeitebenen freizumachen, bezeichnet die Mannheimerin ihre Musik als New Urban Jazz und trifft dabei den Nagel auf den Kopf. Denn ihre Songs funktionieren ebenso gut im mitternächtlichen Clubgeschehen wie an der Straßenkreuzung, auf der Gartenparty wie im Wohnzimmerkonzert, auf der großen Festivalbühne wie auf dem ekstatischen Dancefloor.
„Public Secret“ wirkt wie ein musikalischer Stadtführer durch eine fiktive Metropole. Jeder Song ihres urbanen Spaziergangs scheint einen anderen Kiez zu beschreiben. Alles ist in Bewegung, voller Leben und ansteckender Neugier. Der Austausch mit ihren Mitmusikern wirkt mal wie eine lange gemeinsame Wegstrecke auf diesem Erkundungsgang und mal wie eine zufällige Begegnung, auf der schnell alles ausgetauscht wird, was in diesem Augenblick gesagt werden muss. Jil Pappert behält dabei immer die optimale Balance aller stilistischen Mittel im Auge. Sie selbst scheint in jedem Song in eine neue Rolle zu schlüpfen und auch den Hörern die Möglichkeit zu geben, sie in jedem Lied neu kennenzulernen. „Ich verarbeite in meinen Songs verschiedene emotionale Stadien, die ich selbst im Lauf der Zeit durchlaufen bin“, sagt sie dazu. „Ein zentrales Anliegen ist mir Selbstakzeptanz. Es muss gar nicht immer eine massive Message sein. Die Texte zielen eher darauf ab, dass wir alle ähnliche Erfahrungen, Veränderungen und Weltsichten durchleben. Mir geht es darum, im Flow zu bleiben und es fließen zu lassen. Manche Texte sind auch etwas traurig, aber ich lasse da immer Platz für Hoffnung.“
Bei aller Buntheit im Arrangement und Vielfalt in der instrumentalen Umsetzung entstanden die Songs doch zunächst ganz intim im Austausch der Sängerin mit ihrem Klavier. Melodien und Texte fließen Jil Pappert wie von selbst in die Tasten und Stimmbänder. Je öfter sie ein Stück spielt und hört, desto mehr kann sie es um weitere Elemente anreichern, Bläsersätze antizipieren und eine lebensnahe Dreidimensionalität verleihen. Auf diesem Weg transformiert sich eine ganz persönliche Assoziationskette in einen kollektiven Ausdruck. „Ich habe dabei nie ein Ziel“, rekapituliert Jil Pappert. „Ich nehme mir nicht vor, in eine bestimmte Richtung zu schreiben. Am Anfang steht nie die Entscheidung, ein Stück eher in Richtung Modern Jazz oder R&B zu entwerfen. Das ergibt sich alles während des Prozesses.“
Nicht selten ist Jil Pappert von ihren eigenen Songs überrascht. Sie behält sich die Freiheit vor, die Songs nach Belieben zu verändern, wenn sie plötzlich doch etwas anderes in ihnen schlummern hört. Manche Lieder erinnern an Jazz-Standards, die, obwohl gerade erst aus der Feder der Songwriterin geflossen, auf Anhieb so vertraut klingen, als hätte man sie schon tausendmal gehört. Andere Tracks changieren zwischen Funk, Soul und hochwertigem Pop, als würden sie einem von der nächsten Straßenkreuzung entgegenhallen. Diese Einheit der Kontraste liegen in Jil Papperts Persönlichkeit begründet. Ihre individuelle Gestaltungsstärke wie auch höchst ihre variable und doch sehr markante Stimme sind die Merkmale, die all diese unterschiedlichen Songs zusammenhalten und aus „Public Secret“ ein stringentes Album bzw. eben jenen Spaziergang machen, dem man vom ersten bis zum letzten Schritt folgen möchte, um ihn nach Verklingen des letzten Tons am liebsten sogleich wieder von vorn anzutreten.
Und dann sind da natürlich noch eine Reihe Mitverschworener, sprich ihre Band. Mit Pianist Lukas DeRunge, Saxofonist David Sanwald, Trompeter Gabriel Rosenbach, Gitarrist Bjarne Sitzmann, Bassist Constantin Herzog und Drummer Jakob Dinnebier schart die passionierte Storytellerin ein kleines Orchester um sich, mit dem sie intuitiv in jedes nur denkbare stilistische Biotop aufbrechen kann, ohne dass es aufgesetzt klingen würde. Die Band verfügt über einen sehr schönen inneren Flow der Intentionen, der Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Material und eine sympathische Aufgeregtheit im spontanen Ausdruck verrät. Es macht einfach Spaß, Jil Pappert und ihrer Band zuzuhören.
‚Public Secret‘ ist ein Album mit einer ureigenen Topografie, Architektur und Einwohnerschaft, die sich nicht versteckt, sondern ihre Geheimnisse freilegt und teilt. Offenherziger als Jil Pappert kann man eine Einladung nicht aussprechen.
Jil Pappert / 4064946714656 / Vertrieb: Musichub / jilpappert.bandcamp.com
VÖ: 29.5.2026
Live
Apr 18, Sat
Jil Pappert Septett | Jazzclub Darmstadt
Mai 16, Sat
Jil Pappert Quartett, Heidelberg | UGZWO
Mai 29, Fri
JazzCafé – Premium | Baden Baden
Sep 20, So
Jil Pappert Septett | Jazzclub Villingen
Nov 26, Thur
Jil Pappert Quartett | Jazzport Friedrichshafen
Dez 16, Wed
Jil Pappert Quartett | Club Voltaire Tübingen





