Juliana Blumenschein – Constelação Feminina
130 Jahre brasilianischer Komponistinnen – Juliana Blumenschein entdeckt den Sound brasilianischer Komponistinnen neu.
Mit ihrem neuen Album verbindet Juliana Blumenschein Jazz, Bossa Nova und Samba zu einer eindringlichen Hommage an die Frauen, die Brasiliens Musikgeschichte geprägt haben – und bis heute nachklingen.
Welche Stimmen berühren und beflügeln uns? Die deutsch-brasilianische Sängerin und Musikerin Juliana Blumenschein (Mannheim) liebt Lieder voller Lebensfreude und Poesie, Widerstand und Solidarität. Mit großer Intensität verbindet sie sich mit den Spielarten von Jazz und brasilianischer Musik, mit Samba, Bossa Nova, Baião und Ixejá. Sie interpretiert und improvisiert, getragen von ihrer warmen Stimme und dem Sound ihrer Band. Auf ihrem neuen dritten Album ‚Constelação Feminina‘ spannt Juliana den Bogen von der Musikgeschichte bis in die Gegenwart. Sie hat nach brasilianischen Sängerinnen und Musikerinnen geforscht, die ihre Lieder auch selbst geschrieben haben und denen sie unbedingt mehr Gehör verschaffen wollte. ‚Constelação Feminina‘ ist eine Hommage an die Werke brasilianischer Komponistinnen der vergangenen 130 Jahre, an Ikonen wie z.B. Chiquinha Gonzaga und Dona Ivone Lara. Das Album ist durchdrungen von der Energie dieser Frauen, die Juliana Blumenschein mit ihren Arrangements ins Heute holt. Ein gelebtes kulturelles Erbe. Zudem sie neue Songs erschaffen, die dieses kreative Charisma weitertragen. Sie arbeitete zusammen mit befreundeten etablierten Künstlerinnen der Musikszene in Salvador da Bahia. Und sie schrieb solo für sich. So entstand ihre ‚Constelação Feminina‘, die Konstellation des Weiblichen. Wie ein Sternbild über dem Meer weisen die Stimmen der Frauen den Weg – zwischen Ländern, Generationen und Biografien. „Das Feminine verstehe ich nicht als etwas Starres, sondern als Bewegung, als Vielfalt und kollektive Kraft“, betont Juliana Blumenschein.
Julianas Wirken ist seit jeher von gemeinschaftlichem Geist geprägt. Ihre Eltern sind von Goiânia im Herzen Brasiliens nach Deutschland ausgewandert, um Musik zu studieren. „Wir haben zuhause Portugiesisch gesprochen und brasilianische Musik gehört. Darüber bin ich zum Jazz gekommen‟, erzählt Juliana, die zunächst Geige spielte und später Gesangsunterricht nahm. Sie studierte Jazz-Gesang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim. Seitdem hat sie sich als starke Stimme zwischen brasilianischer Musik und Modern Jazz etabliert. Mit ihrem 2018 gegründeten Quintett veröffentlichte sie 2021 ihr Debütalbum „A Vida‟. Wie ein „Sommerabend mit Cocktails, guten Freunden und tiefsinnigen Gesprächen‟, urteilte das Magazin Concerto. Im Duett mit Gitarrist Florian Küppers erschien 2023 ihr zweites Album „In Between‟. Zudem unterrichtet sie Jazz- und Pop-Gesang an der Musikhochschule in Freiburg. „Ich liebe es, mit der Stimme zu arbeiten und Leute dabei zu unterstützen, sich zu entfalten“.
Julianas kollaborativer Spirit ist auf „Constelação Feminina“ deutlich zu spüren. Seit sie 2015 mit einem Stipendium der Baden-Württemberg-Stiftung ein halbes Jahr in Salvador da Bahia verbrachte, ist sie eng vernetzt mit der Musikszene der Küstenstadt. Bei regelmäßigen Aufenthalten erkundete sie ihre brasilianischen Wurzeln und entdeckte auch die Werke zahlreicher Singer-Songwriterinnen. „Diese Frauen haben so viele tolle Songs geschrieben. Sie waren echte Pionierinnen“. Ein Funke war in ihr entzündet worden. Und sie begann, genauer zu recherchieren. Bis hinein ins 19. Jahrhundert. Und so ist „Corta Jaca‟ aus dem Jahr 1895 die älteste Nummer auf „Constelação Feminina“. Ein Maxixe, ein brasilianischer Tango, der von einem damals durchaus provokanten Tanz erzählt. Ein Vers lautet übersetzt so viel wie: „Wer die Jackfrucht mit seinen Hüftbewegungen zu schneiden weiß, ist von höchster Perfektion“. Juliana singt diesen Song im Duett mit einer Querflöte, als würden sich die beiden spielerisch umtänzeln. Eine flirrende Selbstbehauptung, die Chiquinha Gonzaga (1847-1935) in den Kanon ihrer Heimat eingebracht hat. Die Komponistin war die erste Dirigentin Brasiliens und setzte sich als Sufragette für die Rechte von Frauen ein.
„Mich beeindruckt, wie sich diese Frauen durchgesetzt haben, wie innovativ sie waren‟, sagt Juliana. So auch Dona Ivone Lara (1922-2018): Die Königin des Samba war zudem Sozialarbeiterin und hat das Psychiatrie-System Brasiliens reformiert. Mit Finesse verschränken sich in Laras „A Sereia Guiomar / Alguém Me Avisou‟ zwei Geschichten, die vom Sog der Musik erzählen: Der Mythos vom Fischer, der dem Gesang einer Meerjungfrau folgt, korrespondiert mit einer Ode an den Samba, die zugleich Warnung ist vor dem Machismo in dieser Musikszene. Mit einem tiefen Verständnis für Rhythmik, Sound und Emotionen nähert sich Juliana diesen Liedern an. Bei „Onze Fitas‟ von Fátima Guedes taucht sie ein in eine melancholische Klangfarbe. Die 1958 geborene Künstlerin kritisiert in diesem entschleunigten Samba-canção die Normalisierung von Gewalt. Besonders facettenreich ist Julianas Gesang in „Feminina‟ von Singer-Songwriterin Joyce Moreno zu hören: Sie lehnt sich hinein in die Melodie, flüstert und scattet. Ein intimer Sprechgesang, weich und auf den Punkt. Dieser feministische Samba von 1980 erzählt davon, dass Weiblichkeit nicht an Äußerlichkeiten gekoppelt ist, sondern an innere Essenz und Erfahrung. „Ich bin schon lange Fan von Joyce‟, sagt Juliana. „Ihre Kompositionen und Arrangements finde ich unglaublich stark“.
Juliana Blumenschein ist eine Künstlerin, die das Schaffen anderer enorm wertzuschätzen weiß. Das ist intensiv zu erleben bei den Kollaborationen auf „Constelação Feminina‟. Mit vier Musikerinnen aus Salvador da Bahia entstanden Songs, die regelrecht leuchten vor Herzenswärme und Respekt füreinander. Mit Suane Borges entfaltet sie in „Mulher de Banda‟ eine freudvolle Dynamik im Duett. Der Song feiert die Vielfalt revoltierender, eigenständiger, queerer und hart arbeitender Frauen, die im Samba ihre Kraft finden. Viel Soul und Haltung wiederum fließt in den mythologisch aufgeladenen Song „Com Duas Estrelas Se Faz Constelação‟: Mit Aiace lotet sie da das Spannungsfeld von Privilegien und Rassismus aus. Halt zu finden in weiblicher Allianz, davon handelt das in Moll schillernde „Roda Gigante‟, das mit Isa Meirelles entstand. Und das lautmalerische, unbeschwert groovende „Partida‟ strotzt nur so vor Neugierde, die Juliana und Angela Velloso in den Entstehungsprozess eingebracht haben. „Freundinnenschaften sind mir sehr wichtig. Und beim Musikmachen sind wir uns noch einmal auf einer ganz anderen Ebene nah“.
Es ist ein Konzeptalbum, in dem sie Geschichte, Gemeinschaft und Gefühlswelten feinsinnig erkundet. Und die Arbeit daran hat sie auch in ihrem Songwriting und Ausdruck inspiriert. „Da war so viel Input, dass auch viel raus musste. Beim Einsingen im Studio habe ich mich so frei gefühlt wie nie“. In ihrer Komposition „Paz‟ singt sie davon, Grenzen zu ziehen. Komplex, mutig und stolz. Das bossa-nova-leichte „Sol de Manhã‟ appelliert daran, trotz Verletzungen nicht abzustumpfen und Vergangenes loszulassen. Und zugleich existieren Erinnerungen, die für immer bleiben sollen: „Oh minha mãe‟ widmet sie ihrer 2013 gestorbenen Mutter. Sehnsuchtsvoll zieht ihre Stimme da an der Seele. „Das ist der dritte Song über sie. Die Gefühle verändern sich über die Jahre, doch das Schreiben war erneut mit Tränen verbunden“.
All diese Emotionen, die Tiefe und Euphorie, das sachte Zweifeln und die aufkeimende Hoffnung legt Juliana in ihre Musik hinein, vor allem live. Mit ihrer Band ist sie bereits quer durchs Land in Clubs, Theatern und auf Festivals aufgetreten – von Bamberg bis Berlin, von Weimar bis Köln. „Ich liebe die Abwechslung auf der Bühne. Ich gebe dem Publikum gerne gute Vibes mit‟, sagt Juliana. „Und zwischendurch darf auch eine Schwere anklingen. Mein Ziel ist, dass die Menschen etwas fühlen“. Und das tun sie unbedingt. Eine Musik, die einen im besten Sinne durchlässig macht. Offen für Schönheit, Tanz, Miteinander – und für sich selbst.
Juliana Blumenschein / 4068992734088 / LC 24625 /
Vertrieb: Recordjet (digital) / bandcamp / julianablumenschein.de
VÖ: 25.9.2026
Live
18.09.2026 Bad Saulgau (Jazz & Mehr)
19.09.2026 Frankfurt (Mampf)
21.09.2026 Mainz (Schon Schön)
24.09.2026 Berlin (Schlot)
28.09.2026 Heilbronn (Cave 61)
01.10.2026 Mannheim (Ella & Louis)
12.11.2026 Kaiserslautern (Jazz e.V.)
27.01.2027 Rosenheim (Le Pirate)
28.01.2027 Kaufbeuren (Allgäuer Jazz Initiative)
04.03.2027 Friedrichshafen (Jazzport)
05.03.2027 Heidelberg (Jazzhaus)
15.03.2027 Karlsruhe (Jazzclub)











