Nefertiti 4tet – Maze In Köln

Der unverwechselbare Nefertiti-Touch – jetzt konsequenter denn je.
„Maze in Köln“ verbindet kollektive Komposition, radikale Improvisation und die Energie eines Ensembles, das seit über einem Jahrzehnt wie eine musikalische Familie zusammenwächst.

Auch auf „Maze in Köln“ offenbart er sich: der besondere „Nefertiti-Touch“, der den wagemutigen Jazz-Vierer schon lange auszeichnet. Dabei hat sich etwas Wesentliches verändert. Lag das Kompositorische bis dato ganz in Händen von Pianistin Delphine Deau, trugen diesmal alle Mitglieder Stücke beziehungsweise Themen-Bausteine bei. Ein logischer Schritt, wie die Bandgründerin sagt – sie selber hatte das angeregt. Jahrelang war es selbstverständlich gewesen, dass Kompositionen von ihr die Grundlage des gemeinsamen Schaffens bilden. Allerdings wurden die Arrangements schnell zur Gruppensache, die Auslegungen immer offener. Jetzt haben alle schon von Beginn an einen ähnlichen Anteil – übrigens nicht nur musikalisch, sondern auch organisatorisch. Dass dieser mühelos vollzogene Fortschritt keine auffälligen Spuren in Sound und Stil nach sich zieht, spricht für die starke Identität des Kollektivs. Für Delphine Deau kein Wunder: „Wir alle wollen das Gleiche: Nefertiti music! Auch wenn es neuen Input gibt, am Ende geht alles durch das Nefertiti-Arrangier-Werk.“ Und bekommt so den besagten unverkennbaren Touch.

Das Nefertiti Quartet – zunächst noch schlicht Nefertiti nach der berühmten Wayne Shorter-Komposition – entstand am Konservatorium CRR in Paris. Pianistin Delphine Deau, Saxofonistin Camille Maussion, Kontrabassist Pedro Ivo Ferreira und Drummer Pierre Demange hatten dort 2012 parallel ihr Studium aufgenommen. Ferreira war damals gerade aus dem Süden Brasiliens nach Paris gezogen. Das von Deau schrittweise formierte Quartett – offizielles Gründungsjahr ist 2013 – entfaltete derart enge Bande, dass es selbst den Wechsel Ferreira zu einem fernen Studienort (er wohnt seit 2014 in Amsterdam) verkraftete: ein sicheres Zeichen für den außerordentlichen Geist, der die vier eint. Deau, die aus Paris stammt, lebt seit mittlerweile 2 Jahren im Osten Frankreichs in einem Ort nahe Nancy, Maussion und Demange wohnen weiterhin in Paris. Alle vier spielen längst auch in anderen, ganz verschiedenen Formationen und verfolgen andere Projekte. Für sie alle ist das Nefertiti Quartet ein zentraler Fixpunkt im kreativen Wirkungskreis.

„Wir haben eine sehr enge persönliche Verbindung. Wir sind gute Freunde. Das war schon von Beginn an so“, betonen Deau und Ferreira. „Das ist wie Familie“. Dieses spezielle Verhältnis bildet jenen Nährboden, der das intensive, unglaublich elastische musikalische Miteinander ermöglicht. Pedro Ivo Ferreira betont dabei einen Aspekt: „Es ist großartig, wenn man ein solches Vertrauen ineinander haben kann: nicht nur menschliches Vertrauen, sondern auch ein musikalisches. In dieser Qualität gibt es das nur, wenn man sich kennt und wenn man sich wirklich mag. Egal was musikalisch passiert, wir können uns aufeinander verlassen.“ Kollektive improvisatorische Freiflüge sind ein wichtiger Faktor in der Musik des Quartetts – allerdings stets mit Bezug zu den kompositorischen Elementen und Arrangement-Vorgaben. Themen bzw. bestimmte Motive können an allen möglichen Stellen eines Stückes auftauchen – manchmal mündet das Spiel überhaupt erst in ein Thema. „Das ist dann der Schatz am Ende des Labyrinths“, lacht Delphine Deau. Sie war es, die den Begriff „Maze“ für das aktuelle Album einführte. Das Resultat einer weiteren, in diesem Falle persönlichen Neuerung im Kompositionsprozess. „Ich habe zum ersten Mal mit graphischen Entwürfen gearbeitet. Ich habe Szenarien und ausufernde Stories gezeichnet und verschieden Pfade ausgelegt. Das sah manchmal aus wie ein Labyrinth. Die wurden dann auf Notenpapier übertragen.“

Das Ineinandergreifen von Komposition und Improvisation ist für viele Musiker*innen im zeitgenössischen Jazzgeschehen ein unerschöpfliches Thema, über das gerne philosophiert wird. Auch das Nefertiti Quartet brauchte seine Zeit, um sich in dieser Hinsicht zu finden. Und um darin schließlich die überragende Klasse zu erreichen, die ihm auch schon Preise und jede Menge internationale Aufmerksamkeit beschert hat. Ferreira kommt nochmal auf den Nefertiti-Touch zu sprechen. „Eingedenk dessen, dass Improvisation von jeher eine große Rolle bei uns spielte, und Improvisieren auch eine Form von Komponieren bedeutet, war schon zu Beginn Einiges davon da. Das Konzept zeichnete sich dann rund um unser zweites Album ‚Morse Code‘ ab.“ Für Deau etablierte sich der Nefertiti-Sound endgültig anlässlich des dritten Albums „Frameless“, als sich die Gruppe immer mehr Freiheiten erlaubte. Nicht unerwähnt bleiben darf das Debüt von 2015, „Danses Futuristes“ – ein Titel, der auch zum aktuellen Werk des Quartetts passen würde.

Nach dem ersten Berthold-Records-Album „Live in Paris“ entschied sich die Band erneut für Live-Aufnahmen – ohne dies in den Fokus zu rücken. „Wir haben festgestellt, dass uns die Energie der Live-Situation sehr gut tut im Kontrast zur Studio-Setting.“ Zwei hochspannende Konzertabende im Kölner Loft brachten mehr als genug Material hervor. Der Applaus wurde ganz bewusst weitgehend ausgespart, um die Hör-Konzentration nicht zu stören. Die durchweg neuen Stücke führen durch einen Irrgarten, der in seinen Wendungen verschiedene Emotionen offenlegt: von dem dunklen Verlangen und dem Drama in „Obsession“ über das polyrhythmisch pulsierende „Kangooroo“, die fast anmutig balladesken Färbungen in „My Owl“ und die eigenwilligen Groove-Facetten von „Tree In Your Brain“ bis zum lyrischen Ausgang des finalen „Maze III“.

Keine Frage: das Nefertiti Quartet zählt zu den aufregendsten improvisatorisch befeuerten Gruppen des aktuellen Jazzgeschehens in Frankreich und darüber hinaus.

https://nefertitiquartet.com/apropos/        

Line up : 

Camille Maussion – tenor & soprano saxophones
Delphine Deau – piano
Pedro Ivo Ferreira – doublebass

Pierre Demange – drums

Credits :
All music composed and arranged by Nefertiti.

Recorded live at LOFT, Köln on november 28th & 29th, 2025 with Christian Heck
Mixed by Pierre Demange
Mastered by Raphaël Jonin

Produced by Takadim in collaboration with Berthold Records

Berthold Records  BR326056 / LC 27984 / 4250647326049 / Vertrieb: Cargo/Kontor)

VÖ: 25.9.2026

Live

25.09.2026  Bremen, Villa Sponte   (Album release Konzert)

Fotos I Cover