Miguel Atwood-Ferguson – ANANTA Spirit of Coltrane
- Naima 4:56 ft. Brandee Younger, Joel Ross
- Compassion 6:04
ft. Flying Lotus, Immanuel Wilkins, David Virelles - a force 3:06 ft. Aja Monet
- Giant Steps 5:12 ft. Shabaka, Joel Ross
- My Favorite Things 7:41 ft. Azar Lawrence
- After The Rain 3:48 ft. Jeff Parker, Elena Pinderhughes
- A Love Supreme, Pt. II – Resolution 5:56
ft. Justin Brown, Devin Daniels, Javier Santiago - Central Park West 6:12
Miguel Atwood-Ferguson – violin, viola, percussion, conductor; Devin Daniels – alto saxophone;
Marcus Gilmore – drums; Morgan Guerin – bass clarinet; Shabaka Hutchings – alto flute, bass clarinet;
Peter Jacobson – cello; Azar Lawrence – soprano saxophone; Flying Lotus – synthesizer, sound design;
Aja Monet – spoken word; Jeff Parker – guitar; Elena Pinderhughes – flute; Andres Renteria – percussion;
Joel Ross – vibraphone; Javier Santiago – piano; Ryoma Takenaga – bass; Liza Wallace – harp;
Immanuel Wilkins – alto saxophone; Brandee Younger – harp; Karl McComas-Reichl – bass;
Justin Brown – drums; David Virelles – piano
Arranged & orchestrated by Miguel Atwood-Ferguson
Recorded by Chad Gordon at EastWest Studios, Los Angeles, CA
Produced by Miguel Atwood-Ferguson
Miguel Atwood-Ferguson versammelt ein 21-köpfiges Ensemble, um John Coltrane in dessen 100. Geburtstagsjahr zu würdigen – mit Brandee Younger, Jeff Parker, Flying Lotus, Immanuel Wilkins, Shabaka Hutchings, Azar Lawrence, Joel Ross und Aja Monet.
Zum 100. Geburtstag von John Coltrane verneigt sich Miguel Atwood-Ferguson mit ANANTA: Spirit of Coltrane vor einer seiner wichtigsten musikalischen und spirituellen Inspirationsquellen. Der in Los Angeles beheimatete Komponist, Arrangeur und Multiinstrumentalist, bekannt für seine Arbeit an den Schnittstellen von Jazz, Klassik, Hip-Hop und elektronischer Musik, führt dafür ein 21-köpfiges Ensemble herausragender Musiker zusammen. Mit dabei sind unter anderem Brandee Younger, Jeff Parker, Flying Lotus, Immanuel Wilkins, Shabaka Hutchings, Azar Lawrence und Joel Ross sowie die Dichterin Aja Monet.
Seit mehr als drei Jahrzehnten nimmt Coltrane einen besonderen Platz in Atwood-Fergusons musikalischem Denken ein: als Vorbild, Studienobjekt und spiritueller Wegweiser. Auch Alice Coltrane, deren Ashram Atwood-Ferguson einst besuchte, war für seine Entwicklung von großer Bedeutung. Entsprechend versteht sich ANANTA weniger als konventionelles Tribute-Album denn als Ausdruck tiefer Dankbarkeit und als zeitgenössische Auseinandersetzung mit einer musikalischen und spirituellen Vision, deren Wirkung weit über den Jazz hinausreicht.
Seine Heimat findet das Album bei Impulse!, jenem Label, auf dem John Coltrane einen entscheidenden Teil seines legendären Spätwerks veröffentlichte. Atwood-Ferguson widersteht dabei bewusst der Versuchung, Coltranes Kompositionen durch möglichst radikale Neukonstruktionen seine eigene Handschrift aufzuzwingen. Stattdessen sollen die Stücke wiedererkennbar bleiben und zugleich hörbar machen, welche neuen Räume sich öffnen, wenn eine heutige Generation außergewöhnlicher Musiker mit ihnen in Dialog tritt.
So bewegen sich Interpretationen von „A Love Supreme, Pt. II (Resolution)“, „Central Park West“ und „My Favorite Things“ vergleichsweise nah an ihren Vorlagen, wobei die individuellen Stimmen des Ensembles neue Perspektiven auf das vertraute Material eröffnen. An anderer Stelle greift Atwood-Ferguson stärker in die musikalische Architektur ein: „Naima“ erhält eine neue Gestalt, ohne die harmonische und emotionale DNA des Originals zu verlieren. Und ausgerechnet „Giant Steps“, Coltranes berüchtigtes Hochgeschwindigkeits-Meisterstück, verwandelt er in eine Ballade, Geschwindigkeit weicht Raum, Kontemplation und emotionaler Tiefe.
Atwood-Ferguson, einem breiteren Publikum nicht zuletzt durch seine gefeierte „Suite for Ma Dukes“, die orchestrale Hommage an J Dilla, bekannt, verfügt als Komponist und Arrangeur über die technischen Möglichkeiten, nahezu jedes musikalische Material vollständig auf den Kopf zu stellen. Doch Virtuosität um ihrer selbst willen interessiert ihn nicht. „I’m not trying to impress people“, sagt er über seinen Ansatz. Musik soll für ihn vielmehr berühren, Bewusstsein schaffen und Menschen dazu anregen, sich selbst und ihr Leben tiefer zu verstehen.
Dieser Gedanke durchzieht ANANTA. Immanuel Wilkins bringt etwa auf „Compassion“ jene suchende Qualität ein, die einen zentralen Gedanken des Albums verkörpert: Zugänglichkeit muss nicht Vereinfachung bedeuten. Diese Musik lädt ein, ohne ihre Tiefe oder ihre Herausforderungen preiszugeben.
Neben den Neuinterpretationen von Coltranes Werk enthält das Album auch eine Originalkomposition mit einem Text der preisgekrönten Dichterin Aja Monet. Anstatt Coltranes bestehende Musik nachträglich mit Worten zu versehen, schuf Atwood-Ferguson hierfür neue Musik, inspiriert von der offenen, suchenden Atmosphäre des Impulse!-Kosmos der späten 1960er-Jahre, ohne diesen lediglich zu imitieren.
Der Titel des Albums bringt diese Haltung auf den Punkt: „Ananta“ ist ein Sanskrit-Begriff für „unendlich“ oder „grenzenlos“. Genau dorthin richtet Atwood-Ferguson den Blick. Als praktizierender Buddhist fühlt er sich besonders von der offenen, nicht dogmatischen Spiritualität angezogen, die er in Coltranes Werk erkennt: Musik als Mittel zur Transzendenz, als Kraft, die Menschen verbinden, stärken und über vermeintliche Grenzen hinausführen kann.
So ist ANANTA: Spirit of Coltrane zwar tief im Jazz verwurzelt, doch Atwood-Ferguson denkt das Album weiter, als eine Form von „Cosmic Music“. Coltranes Musik bildet den Ausgangspunkt, nicht die Grenze. Die Vergangenheit wird weder museal konserviert noch dekonstruiert, sondern als lebendige Sprache verstanden, die auch ein Jahrhundert nach Coltranes Geburt weitergeschrieben werden kann.
Passend dazu bringt Atwood-Ferguson einige der spannendsten Stimmen der zeitgenössischen Jazz-, Improvisations- und Avantgarde-Szene zusammen. Das Mastering übernahm die Grammy-prämierte Heba Kadry, die bereits mit Künstler wie Björk, Bon Iver, Blood Orange, Floating Points und Daniel Caesar gearbeitet hat.
ANANTA: Spirit of Coltrane begegnet einem der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts deshalb nicht als abgeschlossenem Kapitel der Musikgeschichte, sondern als offenem Horizont. Miguel Atwood-Ferguson nähert sich ihm mit Respekt, Neugier und Liebe, und führt Coltranes grenzenlose musikalische Vision ins Hier und Jetzt.
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LP 00881061411529 / CD 00881061411512
VÖ: 30.10.2026


