Philip Weyand Trio – TAER

Akustischer Jazz trifft auf elektronische Klangexperimente – Inspiriert von Naturphänomenen, nordischer Mythologie und den Wundern der Physik

 Philip Weyands Staunen über die Welt um ihn herum ist ebenso ansteckend wie seine Musik.

Die sieben Stücke auf Philip Weyands TAER schöpfen Inspiration aus unterschiedlichen Motiven: Naturphänomene, nordische Mythologie, Muster und Wunder der Physik. Weyand erkundet diese Einflüsse, indem er sie zu einem zusammenhängenden Ganzen verwebt – ähnlich der Art und Weise, wie Träume entstehen: aus Informationen, Erinnerungen, zufälligen Gedanken und imaginären Elementen. Für Weyand besteht der Wunsch den Klang des Flügels zu manipulieren und zu erweitern, ohne dabei durch Verwendung von externen Synthesizern die Verbundenheit zum akustischen Instrument Flügel zu verlieren. Über ein Pedalboard mit verschiedenen Effekten verstimmt und verzerrt er den klassisch vollen Flügelklang zu etwas deutlich Rauherem mit mehr Textur.

Begleitet wird Weyand von seinem langjährigen Bandkollegen, dem Bassisten Nico Klöffer, mit dem er seit über einem Jahrzehnt zusammenspielt. Klöffers Klang, seine Bogentechnik und sein schnörkelloser „No-Bullshit“-Ansatz am Instrument bilden ein solides Fundament, auf dem Weyand seine unkonventionelleren elektronischen Experimente ausbalanciert. Das neueste Mitglied der Band ist Schlagzeuger Jonas Kaltenbach. Sein fließender, rollender Stil ist von afrikanischer und brasilianischer Schlagzeugmusik inspiriert. Ohne sich in virtuoser Zurschaustellung oder Effekthascherei zu verlieren, ist er ein integraler Bestandteil der Gesamtvision des Albums. In dieser Band geht es nicht darum, Soli zu spielen oder sich als Einzelner hervorzutun. Vielmehr ist es eine Einheit, die gemeinsam spielt.

Es ist kein Zufall, dass mehrere der Stücktitel hinsichtlich ihrer Vokale und Konsonanten symmetrisch erscheinen. Zudem kommen sie ohne sogenannte Unterlängen aus – in der Typografie die Bezeichnung für Teile von Buchstaben, die unter die Grundlinie reichen, etwa bei y, j oder g. Dieses Detail gibt den Ton für ein Album an, dessen Konzepte bis ins Kleinste durchdacht sind. „FENNEK“ (ein Wüstenfuchs) ist eine entspannte Einführung in Weyands Welt. Zuerst erklingt ein frei gespieltes Rubato-Thema, das anschließend in eine Art „time, no changes“-Spielweise übergeht. Hier ist zum ersten Mal ein leicht in der Tonhöhe verfremdeter „Piano-F/X“-Sound zu hören – ein einzigartiges und prägendes Merkmal von TAER, das Weyand mit großer Behutsamkeit und Subtilität einsetzt.

„SORT SOL“ bezeichnet die Formationen und geometrischen Figuren, die riesige Starenschwärme am Himmel bilden. Die Harmonien basieren auf Sextmixturen, während die rhythmischen Patterns zwischen 11/8, 4/4 und 3/4 morphen und dem Trio so die Möglichkeit bieten, spielerisch zwischen unterschiedlichen Ansätzen zu wechseln. Ständige Transformation -passend zum Bild eines wirbelnden Vogelschwarms im Flug.

In der nordischen Mythologie ist der Ouroboros eine Schlange oder ein Drache, der seinen eigenen Schwanz frisst und sich selbst verschlingt. Die beiden gleichnamigen Stücke basieren auf unterschiedlichen Schleifen. „OUROBOROS I“besteht aus aufeinanderfolgenden Takten mit festgelegten Tönen, die jedoch rhythmisch völlig frei interpretiert werden können. „OUROBOROS II“ basiert auf einer kurzen Passage, die sich fortlaufend wiederholt. Weyand verfremdet das Klavier mit Fuzz- und Wah-Wah-Effekten und steigert so nach und nach dessen Intensität.

Der Titeltrack „TAER“ trägt ein von Weyand erfundenes Wort als Namen. Klar in seiner Form und frei von Unterlängen erinnert es optisch an das deutsche Wort „Teer“ und zugleich an das englische Homonym „tear“. Weyand selbst beschreibt die Form des Stücks als „ein wenig schräg“. Gerade deshalb war es ihm wichtig, dass sich ein Groove durch die freien Elemente zieht.

„KAVITATION“ beschreibt die Freisetzung von Energie infolge von Druckveränderungen in Wasser, bei denen winzige Blasen entstehen und implodieren. In diesem Solostück spielt Weyand gewissermaßen ein Duett mit sich selbst – begleitet von den unterschiedlichen Klangtexturen seines Effekt-Setups. Klavier und Effekte changieren zwischen einem großen hybriden Instrument und einem Duett aus akustischem Klavier und extern erzeugten Effekten. Durch die serielle Verschaltung sowie verschiedene Loops und Wechselwirkungen entstehen stellenweise ungeplante Klänge, auf die Weyand wiederum reagiert – ein surrealer Trip.

„CANTO DA SEREIA“ bedeutet auf Portugiesisch „Gesang der Meerjungfrau“. In der brasilianischen Candomblé-Religion werden die Gottheiten mit bestimmten Rhythmen verehrt, auf denen auch die hier verwendeten Clave-Figuren und Rhythmen basieren. Harmonisch ist das Thema komplex und verwendet zwei übereinandergeschichtete pentatonische Skalen. Die rollenden Drums und die Art, wie sich das Stück vorwärts bewegt, stehen für Weyand im Fokus und der Vamp im Outro gehört zu seinen Lieblingsmomenten des Albums.

Das Cover-Artwork des Albums und die analogen Fotografien im Inneren sind von Weyands Vater und auf dessen Reisen durch Asien entstanden. Hier wird deutlich, dass die Faszination für feine Details in der Familie liegt, ebenso die sorgfältigen Kompositionen und das Festhalten von Momenten großer Schönheit in alltäglichen Situationen. Eine zersplitterte Autoscheibe verwandelt sich in ein komplexes Geflecht rosafarbener Kristalle. Ein Haufen verbogener Blechreste wird plötzlich zu einem außerirdisch anmutenden Magic-Eye-Rätsel. Eine unscheinbare Computerecke verwandelt sich in eine faszinierende Zeitkapsel.

TAER ist ein intellektuelles Werk voller Anmut und Größe, das seine Verspieltheit niemals zugunsten von Ernsthaftigkeit opfert. Weyands Staunen über die Welt um ihn herum ist ebenso ansteckend wie seine Musik. In einer Gesellschaft, die zunehmend digitalisiert wird und sich zugleich zurückzuentwickeln scheint, ist dieses Staunen für ihr Fortbestehen ebenso fundamental wie ihre elementaren Bestandteile: die Luft, das Wasser und die Erde selbst.

www.philipweyand.de            www.boomslang-records.com

09.01.27 Jazzschmiede – Düsseldorf
21.01.27 Loft – Köln
23.01.27 Klavierwerkstatt – Mannheim

Boomslang Records  BOOM2402   LC09496     9120011932402   Vertrieb:  Galileo MC

Vinyl / CD / Digital

VÖ: 22.01.2027

Live

09.01.27 Jazzschmiede – Düsseldorf
21.01.27 Loft – Köln
23.01.27 Klavierwerkstatt – Mannheim

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