Harry Marte - Little Prayers

HARRY MARTE – LITTLE PRAYERS

CrossCut Records / CCD 14014 u. CCA 2014                               Vertrieb: in-akustik

Veröffentlichung: 22. Oktober 2017

 

Ein Americana-Album aus dem Alpengebirge

Die akustische Gitarre spielt eine kleine Melodie, ein wenig klingt es nach dem Sound der border music, wie man sie im texanisch-mexikanischen Grenzland spielt. Dann ächzt und rumpelt der Beat und die Band umarmt die Stimme des Sängers. Harry Marte singt „I Will“.

 

For my pretty love

I will pray, I will pray.

For a whore

I will sing, I will sing.

And for all that money

I wouldn’t kill.

 

Seine Lieder sind Bekenntnisse: Er singt für die Außenseiter, die Ausgestoßenen, für die Liebe. Der Staub der Straße wurzelt in den Songs. Man ahnt den endlosen Horizont am fernen Rand der Wüste und spürt den roten Sand unter den Füßen, der schwüle Duft aus den Sümpfen der Südstaaten steigt auf, wenn Harry Marte singt.

In seinen Liedern spiegelt sich mehr als ein halbes Leben, das Höhen und Tiefen gesehen hat. Die Songs sind klar und authentisch, sie wirken unmittelbar und körperlich, brüchig und filigran; zugleich atmen sie die Gelassenheit eines selbstbewussten Freidenkers, für den sechzig kein Alter ist und dessen Stimme all die Facetten enthält, die auf seine Songs zutreffen.

Und Amerika ist schon immer in diesem Musiker, der mit Dylan und Woodstock aufgewachsen ist, und der einfach mal für ein paar Monate aus Vorarlberg verschwindet und die Highways der USA bereist. 

Harry Marte greift zur Gitarre, um die Musik für seine Lieder zu finden. Was er spielt, klingt stripped to the bone, auf das Nötigste beschränkt, und hier kommt ein Freund ins Spiel. „Ich habe alles Weitere in die Obhut von Alfred gelegt“, sagt Marte. Alfred Vogel, Drummer und Produzent, hat mit dem Gitarristen Marco Figini und Chris Dahlgren an Bass und Viola da Gamba eine Band formiert, der Harry Marte denselben Namen gegeben hat wie seinem Album: ‚Little Prayers‘.

Kleine Gebete. Der Musik bleibt das Rudimentäre ihres Schöpfers erhalten. Sie ist der Soundtrack zu Martes Lyrik, konzentriert auf das Wesentliche, ihre Begleitung und Illustration. Drei coole Jazzmusiker, die Ahnung haben von der Wurzelmusik aus den Appalachen - düster tickende Voodoo-Sounds, dann wieder tönen die Gitarren geradezu sanft. Stets lauern die krummen Elemente; schöne Melodien sind in Harrys Klanguniversum erwünscht, aber ein bisschen Verzerrung braucht sein Vokabular auch immer. Lieber die Saiten etwas knarzen lassen und neben der Spur trommeln als den puren Schönklang ans Licht lassen. Eine Polka driftet leicht betrunken durch die Takte.

Während Marte im apokalyptischen The River alttestamentarische Floskeln in voller Wucht entfacht, um seine Wut über naturzerstörerische Geschäftemacherei in Bilder zu packen, türmt seine Band destruktive Soundkaskaden auf – das einzige Mal, wo die Musik der Little Prayers am Ende ein paar Minuten sprach- und wortlos bleibt.

Das Vinyl-Album ist mit einem Download-Code für sämtliche Songs ausgestattet, darunter auch die zwei Bonustracks der CD. Sämtliche Texte sind im großformatigen Booklet des Albums/dem CD-Booklet nachzulesen, darunter auch die Übersetzungen zweier Songs ins Deutsche.