20 Jahre Jubiläum: Nils Wogram Root 70: 2000-2020 Anniversary Box

Inhalt der Box: gesamte Diskographie von Root 70 (8 CDs + 1 LP), Bandgeschichte in Bildern
(Fotobuch),USB Stick mit allen Videos (Studio und On Tour) Root 70 Songbook (Noten).

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Ein starker Baum hat viele Wurzeln. Die Jazz-Band Root 70 feiert anno 2020 ihr zwanzigjähriges Bestehen. Diesen Umstand verdankt sie einer ganzen Reihe von Tatsachen. Posaunist Nils Wogram, Saxofonist Hayden Chisholm, Bassist Matt Penman und Drummer Jochen Rückert bilden eine der stabilsten Formationen der Jazzgeschichte. Zwei Jahrzehnte in unveränderter Besetzung zu musizieren, ist nicht nur an sich schon bemerkenswert, sondern im Fall von Root 70 besonders beeindruckend, weil die Band nicht den einfachsten Weg gewählt hat. Doch fangen wir am Anfang an, als sich vier junge Musiker entschlossen, ein Stück ihres Pfades gemeinsam zurückzulegen.

Um es ganz einfach zu machen: Hayden Chisholm und Matt Penman kommen aus Neuseeland und kannten sich von frühester Jugend an. Bereits als Teenager kam Chisholm über die Schweiz nach Köln. Ungefähr zur selben Zeit kehrte Nils Wogram aus New York an die Musikhochschule in Köln zurück und lernte dort Chisholm und Jochen Rückert kennen. Letzterer hatte bereits unabhängig von dem Saxofonisten in New York mit Matt Penman gespielt. Rückert trommelte in Wograms Quartett, und als der Posaunist den Drummer fragte, mit wem er gern Bass spielen würde, entschied dieser sich für den Neuseeländer aus New York. Chisholm spielte unterdessen mit Rückert und Penman im Trio und lud eines Abends 1999 Wogram als Gast hinzu. „Wir waren erstmals in dieser Kombination zu viert, und ich sagte, diese Ballung von Leuten ist etwas Besonderes, das müssen wir etwas längerfristig betreiben als nur für einen Gig“, erinnert sich Wogram.

Eine derart fundamentale Erkenntnis auszusprechen, ist die eine Sache, sie aber nicht nur in die Tat, sondern in kontinuierliche Arbeit umzusetzen, eine ganz andere. Nils Wogram setzte sich den Hut auf und schmiedete aus vier Musikern, die einander musikalisch sehr nah waren, eine Band, die nach Alexandre Dumas’ Grundsatz „Einer für Alle, Alle für Einen“ funktionieren sollte. „Es braucht eben immer eine Person, die die Dinge katalysiert und auf den Punkt bringt“, so Wogram. „Wir kannten uns aus diversen musikalischen Kontexten und lernten uns schätzen. Es ist jedoch wie in einer Familie. Man respektiert sich, aber es ist nicht alles nur Einvernehmen. Jeder hat seinen eigenen Kopf. Wir müssen nicht die besten Freunde sein und immer dasselbe wollen. Eine der Voraussetzungen, dass die Band seit 20 Jahren funktioniert, besteht darin, dass sich jedes Bandmitglied voll und ganz entfalten und durch die eigene Spielweise den Bandsound prägen kann.“

Im Mai 2000 gab Root 70 das erste Konzert unter diesem Namen auf dem MoersFestival. Dass vier Persönlichkeiten, die nicht nur auf ihren Instrumenten, sondern auch als musikalische Charaktere derartig starke Individualisten sind, dennoch einen höchst symbiotischen Bandsound erzielen, ist ungewöhnlich. Die vier Protagonisten fühlen sich über ein ähnliches musikalisches Wertesystem miteinander verbunden und einer vergleichbaren Grundästhetik verpflichtet. Der Grundstein für die gemeinsame Trasse war also gelegt. „Ebenso wichtig ist aber, dass wir uns gegenseitig machen lassen“, postuliert Wogram. „Ich erinnere mich an diverse Situationen, in denen ich bei meinen Kompositionen dem Impuls nachgeben wollte zu sagen, Jochen, kannst du mal etwas lauter spielen, oder Hayden kannst du da mal mehr Gas geben. Aber dann dachte ich mir stets, die anderen haben ja ihren eigenen Charakter, und dieser Charakter macht den Bandsound aus. Die ästhetische Kontrolle jedes einzelnen Musikers ist sehr hoch. Jeder weiß, was er spielen kann und will bzw. nicht kann oder will. Das verbindet sich mit einem tiefen Respekt für die jeweils anderen drei Musiker. Es gibt kein Muss, keine Verpflichtung, aber alle freuen sich, wenn wir als Root 70 wieder zusammenkommen. Alles basiert immer noch auf Freiwilligkeit. Das Geheimnis besteht darin, dass jeder diese Freiwilligkeit für sich selbst nutzen und schätzen kann.“

Die gemeinsame Schnittmenge war also da, nach der musste man nicht suchen. Doch Root 70 gelang etwas, das nur wenige Bands über so viele Jahre durchhalten. Die Gruppe baut die Spannung ihrer Konzepte auf der Gegensätzlichkeit der Musiker auf, aus der sich immer neue Überlappungen, Brüche, Perspektivwechsel und Annäherungen ergeben. Jeder der Vier hat in der Band den ihm eigenen Platz gefunden, der jedoch flexibel ist und den persönlichen Unterschieden Rechnung trägt. Wäre es anders, fehlte das Salz in der Suppe. Man kann mit seinen Musikerkollegen durchaus Differenzen haben und trotzdem gut zusammen Musik machen, denn das grundsätzliche Verständnis ist ja da.

Die Besonderheiten, Stärken und Unterschiede zwischen den Musikern herauszustreichen, ist niemand berufener als der Bandleader selbst. „Ich bin sicher derjenige, der für Kontinuität, Verlässlichkeit und eine gewisse Akribie steht“, konstatiert Wogram. „Ich bin relativ analytisch, behalte immer die Vogelperspektive im Auge und spüre, wann ein Repertoire so weit ausgereizt ist, dass es zu Routine und Langeweile führt. Dann muss man neue Impulse setzen. Hayden hat extrem viele Ideen und ist auf vielen Gebieten unglaublich begabt. Er spielt mehrere Instrumente, schreibt Texte, zeichnet und interessiert sich für alle möglichen Kunstformen. Aber er arbeitet nicht sehr kontinuierlich, sondern eher impulsgesteuert. Über längere Zeit hatte er nicht einmal eine Wohnung, weil er nonstop um die Welt unterwegs war und überall seine Einflüsse aufsammelte. Er ist ein sehr empathischer Mensch, was der Band stets zugute kommt. Jochen ist ein vollendeter Perfektionist. Er stellt immer die richtigen Fragen, kann Missstände schwer akzeptieren und ist hart gegen sich selbst und andere. Mit seiner Ehrlichkeit und seinem hohen Anspruch umzugehen, ist nicht immer einfach, aber das bringt uns alle weiter. Eine Zeitlang haderte er mit dem Beruf des Jazzmusikers, weil er gesellschaftlich in eine andere Richtung gehen wollte. Jazz hat ja zuweilen auch etwas sehr Bürgerliches. Davon wollte er eher weg, hat aber Gott sei Dank die Kurve gekriegt. Matt ist ein Naturtalent. Auch er hat einen sehr hohen Anspruch an sich selbst. Er ist sehr neugierig und beschäftigt sich gern mit gesellschaftskritischen, sprachlichen und intellektuellen Themen, zu denen er oft einen ironischen Zugang hat. Matt weiß, was er kann, und wer etwas anderes von ihm will, soll ihn in Ruhe lassen. Er führt auch ein Leben außerhalb der Musik, keltert seinen eigenen Wein, spielt gern Tennis und kennt die exotischsten Plätze. Wenn wir auf Tour sind, lässt er uns an diese Orte fahren, auch wenn wir dafür früher aufstehen müssen.“

Einen Masterplan oder formulierten Traum hat es bei Root 70 nie gegeben. Rein musikalisch wollte die Band eine Art von Sophistication erlangen. Ihre Fertigkeiten als Musiker wollten sie in eine Musik mit Charakter umsetzen, die nicht nur einfach gut gespielt ist. „Wir waren ernsthaft in der Umsetzung unseres Anspruchs, wollten uns selbst aber nicht allzu ernst nehmen“, schätzt Wogram es rückblickend ein. Wahrscheinlich war das der Grund, dass der Musik von Root 70 bei allem Tiefgang immer auch eine heitere Leichtigkeit eigen war. Fernab von jedem Business-Plan hat man sich über gute Angebote gefreut, aber nie über den berühmten nächsten Schritt nachgedacht. „Die Inhalte standen immer im Vordergrund. Sicher haben wir auch darüber diskutiert, wie wir mehr Publikum ziehen könnten, aber diese Frage stand nie in Konkurrenz zur Musik. Deshalb haben wir immer wieder Dinge gewagt, die unter kommerziellen Gesichtspunkten eher kontraproduktiv waren. Es war uns wichtig, die Hörerschaft zu überraschen.“

Nicht zuletzt gelang es Root 70 auch, sich selbst mit immer neuen Konzepten zu überraschen. Womit wir bei einem weiteren Punkt der bandinternen Überlebensstrategie sind. Anfangs begnügte man sich damit, den sich aus dem Charakter der Musiker ergebenden Grundsound als konzeptionelles Terrain zu deklarieren. Doch nach den ersten drei Alben setzten sich Wogram und Chisholm zusammen und erstellten eine Liste von Themen, die sie gern umsetzen wollten. So ging die Band zu Konzeptalben über, bis es auf „Luxury Habits“ sogar zum Konzept wurde, kein Konzept zu haben. Für die Konzeptalben nennt Wogram zwei Gründe. „Die Vermeidung von Beliebigkeit gab uns einen konzeptionellen Rahmen, der uns nicht eklektisch abschweifen ließ. Diese Fokussierung war beim Komponieren und Programmieren hilfreich. Der andere Grund war die genaue Beschäftigung mit einem Thema. Wir wollten nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern in die Tiefe zu gehen. Uns reizte die Frage, wie man innerhalb bestimmter Grenzen Freiheit ausloten und finden kann.“

Diskographie
Root 70 (die erster CD der Band)  Release: 2001 (2nd Floor)
Getting Rooted  Release: 2003 (Enja, Werner Aldinger)
Fahrvergnügen  Release: 2006 (aufgenommen im Avatar Studio New York, Intuition, jetzt NWOG Records)
Root 70 on 52nd 1/4 Street  Release: 2007 (aufgenommen im Funkhausstudio Nalepastrasse Berlin und die erste Produktion mit drei Mikros auf Analog Band, Intuition, jetzt NWOG Records)
Listen to your Woman  Release: 2010
Riomar  Release: 2013 (die einzige Aufnahme mit Gastmusikern und Streichern)
Wise Men Can Be Wrong  Release: 2015 (die einzige Veröffentlichung mit Jazz Standards)
Luxury Habits  Release: 2017

nWog 031 /  0683813290693 / Vertrieb: EDEL /

Veröffentlichung: NEU 10.4.2020

Download: Booklet Root70_box

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Interview Nils Wogram zu 20 Jahre ROOT 70 (Fragenkatalog und Antwort-mp3’s)
Nils Wogram_Interview_20 Jahre Root70

Live

DIE TOUR MUSSTE ABGESAGT WERDEN

Fotos I Cover

Audioplayer je 1 Track der Alben