Dino Eger Tonnam – III Knights in Bangkok
Drei Musiker. Drei Generationen. Zwei Städte.
Ein Trio ohne Berührungsängste.
Was passiert, wenn drei Musiker aus unterschiedlichen Generationen, Ländern und musikalischen Welten aufeinandertreffen? Bei DINO EGER TONNAM entsteht daraus eine ebenso eigenwillige wie mitreißende Mischung aus musikalischer Neugier, blindem Verständnis und Lust am Experiment. Zwischen Bangkok und Kopenhagen hat das Trio eine beinahe telepathische Verbindung entwickelt – und mit III KNIGHTS IN BANGKOK ein Album geschaffen, das die Grenzen zwischen Jazz, Groove, Klangexperiment und spontaner Spielfreude mühelos hinter sich lässt.
Jakob „Dino“ Dinesen, Jahrgang 1968, gehört zu den profiliertesten und experimentierfreudigsten Jazzsaxofonisten Dänemarks. Seit mehr als drei Jahrzehnten bewegt er sich zwischen Jazz, afro-kubanischen Einflüssen und unterschiedlichsten musikalischen Begegnungen. Zu seinen Weggefährten zählen Größen wie Paul Motian, Kurt Rosenwinkel, Eddie Gomez, Tony Allen und Steve Swallow. Viermal wurde er mit dem Danish Music Award für das Jazzalbum des Jahres ausgezeichnet, zuletzt 2025 für SLOW FLOW.
Der schwedisch-norwegische Schlagzeuger Anton Eger, Jahrgang 1980, hat sich mit Bands wie JazzKamikaze und Phronesis sowie durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Marius Neset einen Namen gemacht. Seine musikalische Sprache verbindet Jazz, Fusion, Rock und zeitgenössische Musik zu einem unverwechselbaren rhythmischen Kosmos.
Warit „Tonnam“ Techakanont, Jahrgang 2002, bringt eine ganz eigene Perspektive ins Trio. Aufgewachsen in Thailand, bewegt er sich souverän zwischen klassischer Musik, Jazz und Fusion. Sein elektrisches Keyboard eröffnet ein schier unerschöpfliches Spektrum an Klangfarben und harmonischen Möglichkeiten – und macht ihn zu einem Musiker, der die Richtung der Musik jederzeit überraschend verändern kann.
Dass die drei überhaupt als Trio zusammenfanden, war eher Zufall als Plan. Ursprünglich spielten Dinesen, Eger und Tonnam gemeinsam mit dem Bassisten March Titiwat Tripob im Quartett. Als March 2023 bei einem Konzert ausfiel, beschlossen die anderen drei kurzerhand, ohne Ersatz weiterzuspielen. Aus der pragmatischen Lösung wurde ein musikalisches Abenteuer. Inzwischen haben sie rund fünfzig Konzerte in Bangkok und Kopenhagen gespielt und dabei ein Zusammenspiel entwickelt, das von intuitivem Vertrauen und größtmöglicher Offenheit lebt.
„Wir können uns wie ein einziger Organismus bewegen“, sagt Dinesen. „Wenn wir uns gemeinsam in eine Richtung bewegen wollen, müssen wir uns nicht einmal ansehen. Wir machen es einfach.“
Diese Freiheit ist das Herzstück des Trios. Ideen entstehen im Moment, musikalische Richtungswechsel brauchen keine Ansage, und selbst komplexe Passagen wirken wie ein spontaner Dialog. Besonders Tonnam sorgt dabei immer wieder für Überraschungen. „Er ist nicht einer – er ist mindestens zwei. Seine linke Hand führt ein Eigenleben“, sagt Dinesen lachend. Tatsächlich scheint Tonnam bisweilen mehrere musikalische Gespräche gleichzeitig zu führen und eröffnet seinen Mitspielern damit immer neue Möglichkeiten.
Die Stücke beginnen meist mit kompositorischen Skizzen von Dinesen. Doch schnell wird daraus ein gemeinsamer Prozess: Eger bringt Ideen zu Groove, Form und Melodie ein, Tonnam verändert Harmonien und Klangwelten, und aus den ursprünglichen Einfällen entstehen Stücke, die keiner der drei allein hätte schreiben können.
Dabei führt der Weg nicht immer auf Anhieb zum Ziel. Dinesen erinnert sich an Momente, in denen ihm die Ideen seiner Mitmusiker zunächst völlig unverständlich erschienen.
„Wenn Anton mir etwas schickte, dachte ich zuerst: Das geht doch nicht, das kann nicht funktionieren. Aber irgendwann merkte ich, dass es funktioniert. Großartig! Los geht’s!“
Die Bereitschaft, sich auf das Unbekannte einzulassen, prägt auch den Sound des Albums. Aufgenommen wurde III KNIGHTS IN BANGKOK im Februar 2025 in Bangkok. Anschließend entwickelte Anton Eger, der auch die Produktion und den Co-Mix übernahm, das Material weiter. Er zerlegte musikalische Fragmente, dehnte sie, formte sie um und setzte sie zu neuen Passagen zusammen. Ein Harmonizer-Effekt erweitert an einigen Stellen den Klang von Dinesens Saxofon, während Tonnam während einer Tournee zusätzliches Material aus der Ferne beisteuerte.
So verbindet das Album die unmittelbare Energie des gemeinsamen Spiels mit den klanglichen Freiheiten der nachträglichen Produktion. Oder, wie Tonnam es ausdrückt: das „Beste aus beiden Welten“.
Auch Gäste finden ihren Platz in diesem offenen musikalischen Kosmos. Bassist March Titiwat Tripob ist auf vier Stücken zu hören. Dawda Jobarteh, langjähriger Weggefährte Dinesens, ergänzt mit Kora und Tama das Stück Save A Soul, das Dinesen seiner Frau gewidmet hat. Im Kern geht es dabei um den Wunsch, etwas im Leben anderer Menschen zu bewegen und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen.
Dass Bangkok und Kopenhagen für das Trio weit mehr als bloße geografische Bezugspunkte sind, wird auch in seiner Musik deutlich. Dinesen hat fünfzehn Winter in Thailand verbracht, Eger reist seit vielen Jahren dorthin. Tonnam wiederum zieht es zunehmend nach Kopenhagen, wo er sich als Musiker freier entfalten kann.
„Ich kann wirklich das spielen, was ich spielen möchte. In Kopenhagen kann ich als Musiker mehr ich selbst sein“, sagt er. Dinesen kennt dieses Gefühl nur zu gut: „Es ist großartig, irgendwo ganz anders zu sein und noch einmal von vorne anzufangen. Niemand kennt mich, und ich kann die beste Version meiner selbst sein.“
Diese Lust am Entdecken durchzieht auch die einzelnen Stücke. Strandgade ist eine Ballade, die Dinesen am Klavier in der Wohnung seiner Eltern schrieb. Eagerness entstand aus der schlichten Freude am gemeinsamen Musizieren mit Anton. Save A Soul wiederum ist ein Gebet ohne festen Ort – eines, das ebenso in einer Kirche oder Moschee wie in einem buddhistischen Tempel, auf der Straße oder im Jazzclub zu Hause sein könnte.
Andere Stücke tragen Bangkok und Thailand unmittelbar in sich. Suan Siam ist nach einem etwas heruntergekommenen Vergnügungspark benannt, dessen Fahrgeschäfte Dinesen an eine in die Jahre gekommene Version des Kopenhagener Tivoli erinnern – mit einem gewissen Zweifel daran, ob wirklich alles noch ganz sicher ist. Sat Wai Nam nahm seinen Anfang in einem öffentlichen Schwimmbad: Dinesen hielt den Titel zunächst für eine Bezeichnung für „Schwimmbad“, bis Tonnam ihn darüber aufklärte, dass er tatsächlich „schwimmende Tiere“ bedeutet. Snake Hospital wiederum geht auf eine echte Attraktion in Bangkok zurück, wo Dinesen mit seinen Kindern Schlangenvorführungen besucht und Fotos mit riesigen Reptilien machen lässt.
Auch musikalische Referenzen und pure Spielfreude kommen nicht zu kurz. Mit King Woody verneigt sich Dinesen vor dem legendären Trompeter Woody Shaw. Simmer, inspiriert von der jamaikanischen Redewendung „Sim Simma“, wird zum ausgelassenen Partytrack im jamaikanischen Stil – ein Stück, das Dinesen schlicht als „einen Ort, an dem man Spaß haben kann“ beschreibt.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses Trios: Die drei Musiker nehmen ihre musikalischen Einflüsse ernst, sich selbst aber nicht allzu sehr. Jazz trifft auf Groove, kompositorische Raffinesse auf spontane Einfälle, Bangkok auf Kopenhagen. Dazu kommen ein fragwürdiger Vergnügungspark, ein Schlangenkrankenhaus, Woody Shaw und sogar ABBA. Was zunächst wie eine wilde Mischung klingt, findet in dieser Band ganz selbstverständlich zusammen.
„Wir wollen neue Orte erreichen. Neue, wunderschöne Klänge und Gefühle entdecken. Neue Möglichkeiten finden, uns als Menschen miteinander zu verbinden. Neue Wege, gemeinsam ein schönes Leben zu führen.“
Das ist der Geist von III KNIGHTS IN BANGKOK: Drei Musiker versuchen nicht, gleich zu klingen oder ihre Unterschiede einzuebnen. Sie hören einander so aufmerksam zu, dass gerade aus diesen Unterschieden etwas Neues entsteht. Eine Musik voller Entdeckerfreude, überraschender Wendungen und menschlicher Nähe – und ein Trio, das seinen eigenen Weg lieber gemeinsam erkundet, als sich auf bekannte Pfade zu verlassen.
Jakob Dinesen (saxophone), Anton Eger (drums), Warit ”Tonnam” Techakanont (piano/keyboards)
Guests: March Titiwat Tripob (bass), Dawda Jobarteh (kora, tama)
STUNT STUCD26072 CD / 663993260723 /STULP26071 LP / 663993260716
Vertrieb: Inakustik/The Orchard
VÖ: 27.11.2026







