Kuhn Fu – Gam Gum Supon
Mehr Hardrock, mehr Humor, mehr Kuhn Fu oder: Mehr Jazz Punk Psychedelia
Das achtköpfige Ensemble um Christian Kühn legt mit Gamgumsupon sein bislang unmittelbarstes Album vor – zwischen Jazz, Punk, Metal und Big Band.
Kuhn Fu, das zurzeit achtköpfige Ensemble um den Gitarristen und Komponisten Christian Kühn, nimmt sich einfach, das, was es braucht: Vom Rock das Wilde, Ungebremste, und vom Jazz die Freiheit in der Komposition und im Zusammenspiel.
Das neue Album Gamgumsupon ist das direkteste der Band bislang. In der neuen Verbindung von Rock und Eigensinn entsteht etwas, das im Begriff ‚Jazzrock‘ nicht mehr aufgeht. Befreite Rockmusik, und zugleich etwas Jazzverwandtes, das treibt und in gelöster Heiterkeit vor sich hin explodiert. Der Opener ‚Metal Jackson‘ setzt gleich die Koordinaten: gleich von Anfang an die Verstärker auf 12, die Gitarre und die Saxofone spielen abwechselnd Riffs, dann verzahnen sich Saiteninstrument und Bläser miteinander, während Bass und Schlagzeug stoisch alles vorantreiben. Kuhn hat ausgeprägte Laut-Leise-Dynamiken und einen sagenhaft groovenden Mittelteil mit einem kurzen schönen Saxofon- und einem raumgreifenderen Gitarren-Freakout in den Mix geworfen – fertig ist das siebeneinhalbminütige Big-Band-Prog-Monster.
Die Musik von Kuhn Fu verbindet Elemente aus Jazz, Metal, Punk und Big Band zu einem sehr eigensinnigen Sound, der von kompositorischer Dichte und immenser Spielfreude geprägt ist.
Das international besetzte Ensemble mit Christian Kühn (Gitarre, Komposition), Frank Gratkowski (Altsaxofon, Flöte, Klarinette), John Dikeman (Tenorsaxofon), Mateusz Rybicki (Tenorsaxofon, Klarinette), Ziv Taubenfeld (Bassklarinette), Sofia Salvo (Baritonsaxofon), Esat Ekincioglu (Bass), George Hadow (Schlagzeug) spielt das alles virtuos, aber nie selbstzweckhaft. Entscheidend ist der Spaß an der Sache. Und an Gegensätzlichem. Humor und Ernst, Schönheit und Übertreibung, sorgfältig ausgearbeitete Arrangements und frei Gespieltes durchdringen einander.
Ausgangspunkt der Stücke sind häufig einprägsame tonale Melodien, die im Verlauf des Stücks erweitert, zugespitzt und in unterschiedliche Richtungen ausgreifen. Haken schlagen als ästhetisches Prinzip, und die Menge an Ideen scheint unendlich. Alles wirkt, als würde es gerade in diesem Moment entstehen, obwohl die Stücke bis ins Detail ausgearbeitet sind.
‚Gamgumsupon‘ ist der Name einer bunten Insel, ein Ort, der in Wirklichkeit, wie man so sagt, nicht existiert (gleichwohl sieht man ihn auf dem Albumcover), an dem aber viel zu entdecken ist. Das Stück „Architecture“ zum Beispiel, das seine Überraschungen eher sublim und zurückhaltend ausbreitet, während das treibende, hochdynamische „Party“ dann so klingt, wie es heißt: fünf Minuten reine Spielfreude. Oder der ganz leicht schleppende Groove in „Graced with Gut’s Bounty“, an den sich dann rohe Gitarrenriffs anlagern. Oder das hektisch-treibende „Slagroom“, das Verkehrschaos-Atmosphäre verbreitet, inklusive Tempiwechsel, aber eigentlich doch millimetergenau durchstrukturiert ist.
Es sei ihm beim Komponieren der Stücke für Gamgumsupon darum gegangen, zu einer neuen Einfachheit zurückzufinden, sagt Christian Kühn. Und das kann man hören: Alles, was in dieser hybriden Musik komplex ist, klingt niemals kompliziert. Frank Gratkowskis Free-Jazz-Sax-Intro zu „Slagroom“ zum Beispiel hat nichts vom heiligen Ernst der Avantgarde, sondern verbreitet Vergnügtheit. Wie überhaupt Humor in der Musik von Kuhn Fu eine große Rolle spielt, auch wenn er viel unterschwelliger wirkt als auf dem Vorgängeralbum Katastrofik Kink Machine oder der Jazz-Rock-Irgendwas-Oper Jazz Is Expensive. Er schwingt auf Gamgumsupon in einem Songtitel wie „Hairy Fish with Legs that Tries to Climb a Tree“ mit, einem rumpelig-melancholischen Stück Mardi-Gras-in-New-Orleans-Musik. Und auch in dem Stop-and-Go-Kirmes-Polka-Inferno des Titelstücks, dem einzigen, in dem auf diesem Album die Stimme Kühns zu hören ist, wie auch im schmalzig-schaurig-schönen Kitsch des Rausschmeißers „Goodbye and See You Soon“.
Kuhn Fu selbst nennen ihre Musik „Jazz Punk Psychedelia“, und das trifft es sehr genau. Mit Gamgumsupon ist noch eine Riesenschaufel Hardrock oben draufgekommen.
www.kuhnfumusic.com www.berthold-records.de
Christian Kühn (Gitarre, Komposition)
Frank Gratkowski (Altsaxofon, Flöte, Klarinette)
John Dikeman (Tenorsaxofon)
Mateusz Rybicki (Tenorsaxofon, Klarinette)
Ziv Taubenfeld (Bassklarinette)
Sofia Salvo (Baritonsaxofon)
Esat Ekincioglu (Bass)
George Hadow (Schlagzeug)
Berthold Records CD: BR326070; LP: BR326087 LC27984 4250647326070
Vertrieb: Cargo/Kontor
VÖ: 16.10.2026





