Mirna Bogdanović – Glimmerence
Lieder, die nicht nur gesungen, sondern gelebt werden – ein musikalisches Psychogramm unserer Zeit. „Glimmerence“ erzählt von Liebe und Illusion, von Sehnsucht und Befreiung – und verwandelt fragile Gefühlszustände in ein intensives, poetisches Song-Theater.
Es gibt Sängerinnen, und es gibt Sängerinnen. Die Einen singen ihre Songs, und das ist wunderbar. Ganz Wenige von ihnen aber gehen weit darüber hinaus, indem sie ihre Lieder nicht nur singen, sondern leben. Zu ihnen gehört die Berliner Songwriterin und vokale Formwandlerin Mirna Bogdanović. In Sarajewo geboren und in Ljubljana aufgewachsen, lebt sie seit 2012 in Berlin und fängt in ihren Liedern mit allen Sensoren das urbane Leben der Metropole ein.
Für den Titel ihres dritten Albums erfand sie das Wort „Glimmerence“, das sie als Zustand zwischen Liebe und Illusion beschreibt, wenn sich etwas zwar extrem real und schön anfühlt, aber gleichzeitig als ebenso zerbrechlich und flüchtig entpuppt. Ein Gefühlshybrid zwischen Sehnen und Warten, Bangen und Hoffen, Fremdbestimmung und Selbstermächtigung, Enttäuschung und Überwindung. Jedes Lied, jede Zeile, jedes einzelne Wort hat auf diesem Album Gewicht. Es ist ein Theater der Emotionen, einerseits monologisch, denn Mirna Bogdanović inszeniert das komplette Spannungsverhältnis aus den genannten Gefühlszuständen stets aus eigener Perspektive, andererseits dialogisch, denn in jedem Song scheint sie in eine neue Rolle zu schlüpfen, einen weiteren Zugang oder Ausweg zu finden, ihre Hörerschaft auf eine Reise mit offenem Ziel mitzunehmen. Ja, das sind Lieder, aber sie sind viel mehr als das. Es sind feinsinnige Selbstbeobachtungen und pointillistische Stimmungsbilder innerhalb einer immer anonymeren sozialen Umgebung, in der kaum noch Platz für individuelle Mikrobiotope ist.
Dabei gelingt Mirna Bogdanović eine außerordentlich intensive Verbindung der instrumentalen und der lyrischen Funktion ihre Stimme. Mit Pianist Povel Widestrand, Gitarrist Peter Meyer, Bassist Igor Spallati, Drummer Philip Dornbusch und Wanja Slavin, der nicht nur Woodwinds und Synthesizer spielt, sondern auch für die Produktion verantwortlich zeichnet, umgibt sie sich mit einem Who is Who der aktuellen Berliner Jazz-Szene. Es gelingt ihr, diese erlesene Riege von Bandleadern und Extra-Virtuosen zu einer kompakten Band zu formen, in der sich niemand in den Vordergrund spielt, sondern der Fokus jedes einzelnen Mitglieds immer auf dem jeweiligen Song liegt. Der Schirm, unter dem sie ihre Musiker vereinen kann, spannt sich zwischen den Komponenten Einfachheit und Plausibilität.
Bei aller Kollektivität der Klangsuche, ist die reiche Farbpalette ihrer eigenen Stimme trotzdem das bestimmende Hauptinstrument dieser Sammlung von berührenden Geschichtenliedern. Doch dieses Instrument, mit dem sie sich mal den anderen Idiomen auf dem Album annähert, um sich im nächsten Augenblick wieder von ihnen abzuheben oder sie leichten Fußes zu umtanzen, ist niemals Selbstzweck. Sie nutzt ihren vokaldramaturgischen Fundus, um ihren Texten stets die poetische Kraft zu verleihen, die jeden Song zu einer narrativen Perle zu macht. „Ich habe schon immer gern mit der instrumentalen Seite meiner Stimme gespielt und in meinen Arrangements das Flussbett geschaffen, in dem mein Gesang frei fließen kann“, so die Wahlberlinerin. „Am Anfang meiner Laufbahn kam immer die Musik zuerst, und die Texte waren ein unangenehmer, aber unvermeidlicher Nebeneffekt. Es war für mich auch schwer, meine Gefühle jenseits meiner Muttersprache auszudrücken. Mittlerweile finde ich aber viel bessere Worte. Ich habe das Gefühl, ich bewege mich immer stärker in diese poetische Richtung, in der die Lyrics den Ton angeben. Es mag wie ein Widerspruch klingen, aber in dieser Hinsicht fühle ich mich auf dem neuen Album viel stärker als Sängerin als zuvor.“
Das Flimmern und Glimmen, das der Albumtitel suggeriert, kann sie in ihren Liedern kongenial umsetzen, und ihre Mitverschworenen leisten ihr dabei verlässlich Schützenhilfe. Alle gemeinsam transportieren souverän das Gefühl einer Unsicherheit, das aber niemals verloren, sondern stets renitent und selbstbestimmt rüberkommt. Jedes ihrer neuen Lieder ist von einer ungeheuren mentalen Gravitation. Das Setting erinnert oft an frühe Filme von Godard oder Truffaut. Mit geradezu psychoanalytischem Einfühlungsvermögen beschreibt sie Situationen, die wohl jeder von uns, egal welchen Geschlechts oder Alters, welcher Herkunft oder sozialen Zugehörigkeit schon durchlebt hat. Es ist unmissverständlich Mirna Bogdanović, die uns da auf der Bühne ihrer Lieder gegenübertritt, und doch verwandelt sich jede Zeile sofort in eine Erinnerung oder einen Gefühlsrückstand ihrer Hörer. So ist sie zugleich Autorin, Hauptdarstellerin und Regisseurin ihres Song-Theaters. „Es ist gar nicht so sehr eine bewusste Entscheidung, diesen Weg zu gehen, sondern viel mehr der Wunsch, an Geschichten zu arbeiten“, stapelt sie tief.
Ihre hohe Glaubwürdigkeit rührt nicht zuletzt daher, dass sie sehr ehrlich mit ihren Gefühlen umgeht und sich nicht vor dem Risiko scheut, in ihren Liedern etwas von ihrem Innenleben preiszugeben. Daher nimmt es kaum Wunder, dass sie das Album am Ende mit einem Song konterkariert, der nicht aus ihrer eigenen Feder stammt. Ihre Coverversion von Chris Isaacs Pop-Evergreen „Wicked Game“ wird derart tief in ihr eigenes Universum gezoomt, dass man ihn kaum wiedererkennt. Es gelingt ihr, eine in tausend Versionen existierende ätherische Ballade in einen Powersong zu transformieren, der unmissverständlich klar macht, dass gesagt wurde, was zu sagen war, und diese Erzählung abgeschlossen ist.
„Glimmerence“ ist die tiefgreifende Song-Collection einer begnadeten Alltagsphilosophin. Aber es ist viel mehr als das. Es ist eine sensible Momentaufnahme, das musikalische Psychogramm unserer Zeit und unter dem Strich ein befreiendes Zeitzeugnis, das bereits jetzt einen Blick aus der Zukunft aufs Heute ermöglicht.
www.berthold-records.de www.mirnabogdanovic.com
Mirna Bogdanovic – voice, kalimba
Wanja Slavin – synth, saxophone, woodwinds
Povel Widestrand – piano, synth
Peter Meyer – guitars, ukulele
Igor Spallati – double bass
Philip Dornbusch – drums, percussion
LIVE
08.10.2026 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // ZIG-ZAG, BERLIN
15.10.2026 / GLIMMERENCE ALBUM RELEASE LISTENING PARTY // RHINOCEROS, BERLIN
06.11.2026 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // VILLA SPONTE, BREMEN
30.01.2027 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // CLUB ZAK, DANZIG, GDÁNSK
04.02.2027 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // THEATHERSTÜBCHEN, KASSEL
05.02.2027 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // LOCH, WUPPERTAL
06.02.2027 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // NICA, HAMBURG
07.02.2027 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // BERGHAIN KANTINE, BERLIN
Berthold Rec CD: BR326063; LP: BR326117 / LC 27984 / 4250647326063 / Vertrieb: Cargo / Kontor
VÖ.: 9.10.2026
Live
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15.10.2026 / GLIMMERENCE ALBUM RELEASE LISTENING PARTY // RHINOCEROS, BERLIN
06.11.2026 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // VILLA SPONTE, BREMEN
30.01.2027 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // CLUB ZAK, DANZIG, GDÁNSK
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05.02.2027 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // LOCH, WUPPERTAL
06.02.2027 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // NICA, HAMBURG07.02.2027 / MIRNA BOGDANOVIĆ GROUP – ALBUM RELEASE // BERGHAIN KANTINE, BERLIN








