POTSA LOTSA XL – CHAMBER WORKS

 

Experiment, Struktur und Humor sind die drei Zutaten, aus denen die Musiker*innen von Potsa Lotsa XL ihre musikalischen Gerichte kreieren. Auf ihrem neuen Album ‚Chamber Works‘ zeigen sie, dass sie dabei immer wieder für Überraschungen gut sind.    

 

Seit vielen Jahren gehört die Band „Potsa  Lotsa XL“ zu den einflussreichsten Projekten der Berliner Saxofonistin Silke Eberhard, das Ensemble aus Individualist*innen hat den Sound der Berliner Creative-Jazz-Szene maßgeblich geprägt.  Im Frühjahr 2023 wurde Potsa Lotsa XL mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet, 2020 war Silke Eberhard bereits der Berliner Jazzpreis verliehen worden. Im September 2022 trafen sich sechs Musiker*innen des zehnköpfigen Kollektivs um Silke Eberhard zu Aufnahmen im Berliner Studio „Zentrifuge“. Bewusst wurde vorher nicht geprobt, alle lasen die sieben Stücke „vom Blatt“, um sich eine gewisse Frische und Spontaneität zu bewahren, dabei war zunächst gar nicht klar, ob man die Einspielungen auch als Album veröffentlichen würde. Als die Instrumentalist*innen beim Abhören jedoch realisierten, wie viel Esprit, Interaktion und klangliche Vielfalt in den Aufnahmen steckte, entschieden sie, das Ganze unter dem Titel „Chamber Works“ als Album rauszubringen. Dabei ergänzten sie die sieben Studiostücke durch die im Homerecording entstandene Nummer „All Alone“, die in zwei unterschiedlich abgemischten Versionen auf das Album fand. Anders als bei der Studiosession waren bei „All Alone“ alle zehn Musiker*innen von „Potsa Lotsa XL“ beteiligt.

Auch auf „Chamber Works“ fasziniert die Berliner Combo wieder einmal durch ihre individuelle Mischung von Ordnung und Freiheit. Das Eröffnungsstück „A Presto“ lässt wild-bewegt die Bläser*innen in freier Kollektiv-Improvisation durcheinander schnattern, daran schließt sich die Nummer „The Fink Panther“ an, die im Titel ihren Schabernack mit dem Namen des Band-Cellisten Johannes Fink treibt. Hier wiederum wird ein dreitöniges Motiv der Posaune von den übrigen Bläsern aufgegriffen, imitiert und schließlich aufgelöst. Einen Sonderstatus auf dem Album nimmt das Stück „All Alone 1“ ein. Für diese Nummer hat während des Corona-Lockdowns jeder*jede Musiker*in zuhause seinen Part aufgenommen, schließlich wurde alles zusammenmontiert und in zwei dynamisch grundverschiedenen Abmischungen aufgenommen. „All Alone 1“ ist der dritte Track,  „All Alone 2“ in einer alternativen Mischung der neunte und letzte Track des Albums.

Da die Bandleaderin Silke Eberhard ein Faible für Fische mitbringt, nannte sie das von sehnsüchtigen Cello- und Trompetenlinien geprägte Stück Nr. 6 „Mochokidae“, eine Bezeichnung für afrikanische Welse, und die Nr. 7, die von einem auftaktigen Zweitonmotiv durchzogen ist, heißt „Cyprinidae“, der Fachausdruck für Karpfenfische.

Auch Silke Eberhards Brille  wurde in zwei Tracks verewigt: „Dirty Glasses“ startet mit ausarrangierten Bläsersätzen über einem aufgeregten Walking Bass und geht anschließend in eine freie Improvisation über, während „Dusty Glasses“  vom solistischen Spiel Silke Eberhards dominiert wird, das mal hauchig und mal geräuschhaft klingt. Im Zentrum des Albums als Track Nr. 5 steht „ Light light Blue“. Hier stellt das gestrichene Cello ein Motiv vor, das von den Bläser*innen aufgegriffen und weitergesponnen wird, untermalt von einer flirrenden Tremolobewegung des Vibrafons.

 

SILKE EBERHARD

Trouble in the East Records/ TITE-REC 031 / 0709591094985 / LC 50472 /

Vertrieb: Galileo  MC

VÖ: 15.12.2023

Live

04.11.2023 Jazzfest Berlin (mit Henry Threadgill Zooid)

10.11.2023 Jazzfestival Göttingen

Fotos I Cover